nach rechts
nach links
Die Zechen im Aachener Revier, Industriekultur, Fotografie, Der Landgraph

Die Erzgruben im Erzgebirge


Eine fotografische Spurensuche

 

Das sächsische Erzgebirge liegt im Süden des Freistaats Sachsen. Es wird im Norden von Zwickau, Chemnitz und Dresden und im Süden von der deutsch-tschechischen Grenze eingerahmt. Der böhmische Teil des Erzgebirges reicht von der deutsch-tschechischen Grenze im Norden bis an die tschechischen Städte Karlovy Vary (Karlsbad), Most (Brüx) und Ústí nad Labem (Außig).

 

Schon bald nach der ersten Besiedlung des Erzgebirges im 12. Jahrhundert wurde 1168 in der Gegend von Freiberg Silbererz entdeckt. Wie der Goldrausch in den USA Ende des 19. Jahrhunderts löste auch das erste große "Berggeschrey" einen Ansturm von Bergleuten, Händlern, Köhlern und anderen Siedlern ins Erzgebirge aus. Der Silberbergbau nahm eine rasante Entwicklung. Die Stadt Freiberg hatte 1250 bereits 3.000 Einwohner. 1300 ware es schon 5.000. Weitere reiche Erzvorkommen wurden in der Gegend von Schneeberg (Silber, Kobalt, Nickel), Annaberg (Silber), Marienberg (Silber, Kupfer, Zinn), Ehrenfriedersdorf (Zinn, Silber) und Oberwiesenthal (Silber) gefunden. Auf böhmischer Seite wurden hauptsächlich Zinn und Silber abgebaut. 

 

Im 14. Jahrhundert waren in der Freiberger Region die oberflächennahen Erzvorkommen abgebaut. Erst im 16. Jahrhundert kam der Erzbergbau wieder in Schwung. Technologische Neuerungen z.B. in der Wasserhaltung ermöglichten den Abbau auch untertage. Der Dreißigjährige Krieg 1618-1648 brachte die Bergbauindustrie erneut zeitweise zum Erliegen. Als Ende des 19. Jhdt. im Deutschen Reich die Goldwährung eingeführt wurde, verlor der Silberbergbau im Erzgebirge an Bedeutung. Das letzte Silberbergwerk wurde 1913 stillgelegt.

 

 

Lageplan der Erzgruben im Erzgebirge

Zwickauer Steinkohlenrevier, Karte Zwickauer Steinkohlenrevier, Zechen Zwickau

Die Erzbergwerke im Erzgebirge


 

 

Leider funktionieren die Fotogalerien nur mit aktiviertem Javascript.

 

 

1. Silberbergwerk Himmelfahrt Fundgrube

Fördergerüst des Silberbergwerks Himmelfahrt Fundgrube Schacht Reiche Zeche in Freiberg im Erzgebirge

1168 wurde in der Umgebung des heutigen Freibergs Silbererz gefunden. Schnell machte die Kunde vom Silberfund die Runde und löste eine Besiedlung durch Bergarbeiter aus. 1170 verlieh Friedrich Barbarossa dem Markgrafen Otto von Meißen das Bergregal. In der folgenden Blütezeit des Silberbergbaus entstand die Stadt Freiberg. Im 14. Jahrhundert waren oberflächennahe Vorkommen weitgehend abgebaut, der Silberbergbau kam zum Erliegen.

 

Mitte des 15. Jahrhunderts machte die technologische Weiterentwicklung der Verhüttung von Silber den Abbau von tiefer liegenden Erzen mit weniger Silbergehalt rentabel. Der Silberabbau erlebte seine zweite Blütezeit, die durch den Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert beendet wurde. Erst nach dem Siebenjährigen Krieg Ende des 18. Jahrhunderts lebte der Erzabbau in Freiberg erneut auf.

 

Der Abbau erfolgte im Mittelalter in zahlreichen Fundgruben. Allein auf dem Baufeld der späteren Himmelfahrt Fundgrube sind über 300 unterschiedliche Gruben bekannt. 1384 werden in einem Vertrag die beiden Schächte Vordere Reiche Zeche und Hintere Reiche Zeche erwähnt. Für 1511 ist der Schacht Alte Elisabeth dokumentiert. Er war Teil der Grube Sanct Elisabeth, die im 16. Jhdt. zu den größten Bergwerken in Freiberg zählte.

 

Die Zeche Himmelfahrt Fundgrube war seit 1716 aktiv. 1752 übernahm Himmelfahrt Fundgrube die Grube Abraham (seit 1542 in Betrieb) und 1796 die Zeche Sanct Elisabeth. Himmelfahrt Fundgrube wurde zum bedeutendsten Bergwerk in der Freiberger Region. Es zählte zu den größten Silberminen Europas.

 

Im 19. Jahrhundert wurde der Betrieb durch den Einsatz von Wassergöpeln und Dampfmaschinen modernisiert. 1808 wurde die Anlage Alte Elisabeth errichtet, 1835 der Davidschacht in der Nachbarschaft vom Abrahamschacht als zweiter Hauptschacht abgeteuft. 1841 begannen die Abteufarbeiten am Schacht Reiche Zeche.

 

Der 625 m tiefe tonnlägige Abrahamschacht wurde zum Hauptschacht der Zeche. Ein Kunstrad (1773) sorgte für die Wasserhaltung. Ein Pferdegöpel (1783-1812) diente der Förderung. 1856 wurde eine Fahrkunst für die Bergleute eingebaut, die erste ihrer Art in der Freiberger Region. 1887 erhielt der Abrahamschacht ein Fördergerüst für die Seilfahrt. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente er noch bis 1969 als Wetterschacht. Der Abrahamschacht war übertage über eine Zechenbahn mit dem Davidschacht verbunden.

 

1873 wurde im Deutschen Reich die Goldmark eingeführt, Silber verlor dadurch an Bedeutung. Zwischen 1880 und 1898 halbierte sich der Silberpreis. Die Silberbergwerke verloren unmittelbar ihren Absatzmarkt. 1886 wurden die Himmelfahrt Fundgrube mit vier weiteren größeren Gruben des Reviers verstaatlicht und bis 1913 stillgelegt.

 

1919 übernahm die Bergakademie die beiden Schächte Reiche Zeche und Alte Elisabeth zu Lehrzwecken. Von 1937 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nahm die Sachsenerz Bergwerks GmbH den Schacht Reiche Zeche und den David­schacht wieder in Betrieb. Der David­schacht wurde 1942 bis auf 736 m abgeteuft. Untersuchungen der sowjetischen Besatzungsmacht nach dem Zweiten Weltkrieg konnten in Freiberg keine nennenswerten Uranvorkommen nachweisen. Die Bergakademie nahm 1945 den Lehrbetrieb wieder auf. Der Erzabbau wurde dem Bergbau- und Hüttenkombinat Albert Funk übertragen, das bis 1969 Buntmetalle für die DDR abbaute.

 

Der Bereich der Schachtanlage Reiche Zeche wurde in den 1980ern umfassend modernisiert. Die Anlage wird heute von Wissenschaftlern und Studenten der TU Bergakademie Freiberg für wissenschaftliche Zwecke und den Lehrbetrieb genutzt. Seit 1991 ist die Grube auch für Besucher geöffnet. Das Fördergerüst aus dem Jahr 1953 wurde im Frühjahr 2021 abgebaut und überholt. Viele Bestandteile wurden saniert und wieder eingebaut. Andere Elemente wurden baugleich ersetzt. Ende 2021 wurde das restaurierte Fördergerüst wieder aufgebaut. Es ist ein weithin sichtbares Wahrzeichen der Stadt Freiberg.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Stilllegung Max.
Belegschaft
Förderung Besonderheit

Himmelfahrt Fundgrube

1716 1913 2.882
(1856/60)
484 t Silber gesamt
(1840-1896)

1919: Die Bergakademie übernimmt die Schächte
Reiche Zeche und Alte Eliabeth zu Lehrzwecken

 

Fotogalerie

2. Beschert Glück Fundgrube

Huthaus der Beschert Glück Fundgrube Röschenschacht in Freiberg im Erzgebirge

Die Grube Beschert Glück in Freiberg-Zug wurde 1691 gegründet. Sie nahm 1697 die Förderung auf. Ihre Blüte erlebte die Grube in den Jahren nach 1776. Von 1784 bis 1786 wurden auf dem Gelände des Röschenschachts zahlreiche neue Tagesanlagen errichtet. Neben dem stattlichen Huthaus mit seinem charakteristischen Glockenturm lag das Scheidehaus (Scheidebank), in dem u. a. Kinder das Fördergut mit Hammer und Amboss zerkleinerten und das Silbererz vom tauben Gestein trennten. Das taube Gestein kam auf die Halde direkt neben dem Schacht.

 

Der Röschenschacht war ein gebrochener Schacht, 38 m seiger, danach tonnlägig mit 45° Gefälle bis auf den Churfürst Johann Georg Stolln und tiefer bis auf eine Teufe von 334 m. Der Schachteingang befand sich im Huthaus an der Giebelseite. Anfangs wurde mit einer Haspel gefördert. Später wurde ein Treibehaus an der Kopfseite des Huthauses errichtet. Die Seilscheiben für die Seilführung befanden sich in einem Aufsatz auf dem Dach des Huthauses. Die Bergleute fuhren über eine hölzerne Fahrkunst im Scheidehaus in den Röschenschacht ein. Mehrere Lichtschächte sorgten für die Bewetterung des Bergwerks.

 

Das Revier wurde vom Churfürst Johann Georg Stolln entwässert. Der Stollen war ab 1612 auf eine Länge von 4 km aufgefahren worden und ist mit dem Hauptstollen Alte Tiefe Fürstenstolln verbunden. Der Hauptstollen hat eine Länge von 10 km. Zählt man sämtliche Abzweigungen und Flügel hinzu, besitzt das Stollennetz eine Gesamtlänge von 80 km. Der Stollen befindet sich in 126 m Teufe unterhalb des Röschenschachts. Er entwässerte die Baufelder oberhalb. Aus tieferen Lagen musste das Wasser auf das Niveau des Stollens hochgepumpt werden. Dazu kamen Wasserräder zum Einsatz, die durch Wasserkraft angetrieben waren. Das größte Rad hatte einen Durchmesser von 12 m. Bei jeder Umdrehung ertönte ein Glockenschlag. Ein Ausbleiben des Signals zeigte den Ausfall der Wasserhaltung an, so dass das Bergwerk rechtzeitig evakuiert werden konnte.

 

Die Grube Beschert Glück wurde Ende des 18. Jahrhunderts zu einem der bekanntesten Silberbergwerke des Freiberger Reviers. Viele Persönlichkeiten besuchten die Anlagen, so z. B. Alexander von Humboldt im Jahr 1797. Johann Wolfgang von Goethe fuhr 1810 in den Röschenschacht ein. Er übernachtete im Huthaus. 1830 übernahm Beschert Glück die benachbarten Grubenfelder von Habacht Fundgrube, Palmbaum und Jung Himmlisch Heer und wurde zu einer der größten Gruben im Freiberger Bergrevier mit einer Belegschaft von ca. 900 Bergleuten.

 

Zwischen 1880 und 1898 kam es zu einem drastischen Preisverfall von Feinsilber am Weltmarkt. Die Gruben im Freiberger Revier wurden zusehends unwirtschaftlich und konnten trotz Rationalisierungen den Preisverfall und Absatz­rück­gang nicht auffangen. 1884 wurden die Grube Beschert Glück zum Kauf angeboten. 1886 ging die Grube in Staatsbesitz über. Der Plan des Staats, durch weitgehende Modernisierung, Erkundung neuer Lagerstätten und Modernisierung der Anlagen eine nachhaltige Wirtschaftlichkeit zu erreichen, scheiterte, nicht zuletzt an dem weiter sinkendem Marktpreis von Silber. 1899 wurde die Beschert Glück Fundgrube stillgelegt.

 

Das Scheidehaus (1786) stand bis 1947 leer und wurde danach als Wohnhaus hergerichtet. Das Huthaus (1786) und das Maschinenhaus (1898) werden heute ebenfalls als Wohnhaus genutzt.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Max.
Belegschaft
Förderung Besonderheit

Beschert Glück Fundgrube

1691 1697 1899 900
(1830)
250 t Silber gesamt
(1697-1896)

Schacht mündet im Huthaus  

 

Fotogalerie

3. Grube Segen Gottes Herzog August

Schachtgebäude der Grube Segen Gottes Herzog August Drei-Brüder-Schacht in Freiberg im Erzgebirge

Der Drei-Brüder-Schacht wurde 1791 gemeinsam von der Beschert Glück Fundgrube (s. dort) und der Grube Segen Gottes Herzog August abgeteuft, um in Verbindung mit dem neu aufgefahrenen Moritzstolln eine Wasserlösung von tieferliegenden Erzgängen in den Grubenfeldern zu ermöglichen. 1818 ging der Drei-Brüder-Schacht in Be­trieb. 1823-1824 wurde eine Wasserkunst in den Schacht eingebaut, über Tage das Treibehaus für die Wassergöpelanlage errichtet und in Betrieb genommen.

 

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Drei-Brüder-Schacht zum Hauptschacht der Erzgrube Segen Gottes Herzog August. Auf der Suche nach weiteren Erzvorkommen wurde der Schacht weiter abgeteuft. Aber auch in einer Teufe von 388 m konnten keine weiteren Erzvorkommen entdeckt werden. Das Bergwerk wurde nach Erschöpfung der Lagerstätte im Jahr 1898 stillgelegt.

 

Zur Nachnutzung des Bergwerks wurde ein Konzept entwickelt, das abfließendes Stollenwasser im Berg zur Stromerzeugung nutzt. Dazu wurde in 277 m Teufe ein Kavernenkraftwerk eingerichtet, das von oben bedient wurde und eine Leistung von zuerst 2,4 Megawatt, später 6 Megawatt lieferte. Das Kraftwerk ging 1914 in Betrieb und versorgte bis 1972 die umliegenden Orte mit Strom.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Max.
Belegschaft
Förderung Besonderheit

Segen Gottes Herzog August

1791 1818 1898 200 Silber

1914-1972: Nachnutzung der Schachtanlage
für ein Kavernenkraftwerk in 277 m Teufe  

 

Fotogalerie

4. Zinngrube Ehrenfriedersdorf

Betriebsgebäude der Zinngrube Ehrenfriedersdorf Haupt- und Richtschacht (Schacht 1) in Ehrenfriedersdorf im Erzgebirge

In der Region um Ehrenfriedersdorf wurde 1240 Zinn gefunden. Er wurde aus den Sedimenten des Baches im Seifental und der heutigen Wilisch gewaschen, ein Vorgang, den man 'Seifen' nannte. 1241 wurde das erste Zinn aus Ehrenfriedersdorf auf dem Kölner Metallmarkt verkauft. Damit konnte das englische Zinnmonopol auf dem europäischen Kontinent gebrochen werden.

 

Die erste urkundliche Erwähnung des Bergbaus in der Region stammt aus dem Jahr 1293. In dem Dokument der Herrschaft Wolkenstein wird ein Bergzehnter geregelt, was auf Bergbauaktivitäten in der Region schließen lässt. 1323 existierte eine Münzstätte auf Wolkenstein. Bei der Einrichtung des Besucherbergwerks wurde in 100 m Tiefe ein größerer Hohlraum entdeckt, in dem sich eine Silberlinse befunden hat. Archäologische Untersuchungen datierten das dort gefundene Gruben­holz auf das Jahr 1377. Das Silber für die Prägung der Münzen stammte daher sehr wahrscheinlich aus den Erzgruben bei Ehrenfriedersdorf.

 

1338 wurde in Ehrenfriedersdorf die Berggrabenbruderschaft gegründet. Es ist die älteste bergmännische Vereinigung Europas. 1349 wurde ein Zinn- und Silberbergwerk zu Ehrenfriedersdorf belehnt. 1377 erteilten die Herren zu Wolkenstein dem Landgrafen Friedrich Wilhelm Balthasar von Thüringen das Recht auf ihren Ländereien Silber abzubauen. Das Recht des Zinnabbaus verblieb auf Wolkenstein. Nach Aussterben des Herrschergeschlechts auf Wolkenstein war das Herrschaftsgebiet 1505 wieder im Besitz des Herzogs Heinrich von Sachsen (Heinrich der Fromme).

 

Von 1536 bis 1570 wurde der Tiefe Sauberger Stolln aufgefahren. Der Wasserlösungsstollen erreichte eine Länge von 2,2 km. Um 1540 wurde in Ehrenfriedersdorf die Radpumpe erfunden. Sie war nachweislich 1563 in Betrieb. Die Pumpe nutzte Kurbel und Pleuelgestänge zur Umwandlung der Drehbewegung des Kunstrads in eine vertikale Bewegung der Pumpenkolben. Die Erfindung war Vorläufer aller später im Bergbau eingesetzten Pumpenkünste.

 

Der Dreißigjährige Krieg 1618 bis 1648 brachte den Bergbau in Ehrenfriedersdorf vollständig zum Erliegen. Erst Ende des 17. Jahrhunderts erholte sich die Wirtschaft Sachsens von den Kriegsfolgen. Bergbauaktivitäten im Ehrenfriedersdorfer Revier wurden ab 1690 wieder aufgenommen. Der Bergbau erlebte von 1705 bis 1740 eine Blütezeit. Der Siebenjährige Krieg 1756 bis 1763 führte erneut zu einem starken Rückgang der Fördermengen in Ehrenfriedersdorf. Die Geschichte des Bergwerks im 19. Jahrhundert ist durch starke wirtschaftliche Schwankungen und häufige Besitzerwechsel gekennzeichnet. 1857 wurde der Sauberger Haupt- und Richtschacht abgeteuft.

 

Über die Jahrhunderte war Zinn das Hauptabbauprodukt in Ehrenfriedersdorf. Die Zinnerzgänge enthielten aber zusätzlich Wolframit, das in der Stahlveredlung Verwendung findet. Die Zinngrube erlangte dadurch eine strategische Bedeutung für die Rüstungsindustrie und erlebte während des Ersten Weltkriegs einen deutlichen Aufschwung. Nach dem Ersten Weltkrieg war die Produktion aber wieder rückläufig und kam bald ganz zum Erliegen. 1920 übernahm die Stadt Ehrenfriedersdorf die Grube, 1922 wurde sie stillgelegt. Von 1938 bis 1941 wurde der Sauberger Haupt- und Richtschacht durch die Sachsenerz AG neu aufgewältigt und bis auf eine Endteufe von 258 m auf der 6. Sohle abgeteuft. Eine neue Erzaufbereitung wurde eingerichtet. Es war die modernste Anlage ihrer Art in Europa. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Anlagen demontiert und als Reparationsleistung an die Sowjetunion abgegeben.

 

Unter sowjetischer Militäradministration wurde 1947 eine neue Teillagerstätte entdeckt. Die Zinngrube nahm erneut den Betrieb auf. Bis in die 1980er wurde Zinn gefördert. Zuletzt war die Produktion so unrentabel geworden, dass das Bergwerk 1990 endgültig stillgelegt wurde. 1995 wurde in den ehemaligen Betriebsgebäuden des Sauberger Haupt- und Richtschachts ein Besucherbergwerk eröffnet. Der Besuch lohnt sich.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Stilllegung Max.
Belegschaft
Förderung Besonderheit

Zinngrube Ehrenfriedersdorf

1338

1922

- Zinn

1540: Erfindung der Radpumpe, Vorläufer aller 
später im Bergbau eingesetzten Pumpenkünste

 

Fotogalerie

5. Marienberger Silberbergbau

Rekonstruktion des Pferdegöpels des Marienberger Silberbergbaus Rudolphschacht in Marienberg im Erzgebirge

Im 12./13. Jahrhundert wurde in Marienberg Rot­eisen­stein abgebaut und verhüttet, das weisen archäologische Untersuchungen nach. Eisengruben gab es im Bereich Pobershau, heute ein Stadtteil von Marienberg. Die erste urkundliche Erwähnung einer Silbergrube in Marienberg stammt aus dem Jahr 1484. In einer Urkunde der Herzöge Ernst und Albrecht von Sachsen wird die Mönchsgrube am heutigen Mönchsberg beschrieben. Der reiche Silberfund in der Alt-Fabian-Sebastian-Fundgrube im Jahr 1519 markiert den eigentlichen Beginn des Silbererzbergbaus im Marienberger Revier. 1521 entstand die Stadt Marienberg. 1525 wurde ein eigenes Bergamt in Marienberg gegründet. Das Silbererz wurde zentral angekauft und von Adam Ries (heute bekannt als Adam Riese) überwacht, der bis 1536 als Rezessschreiber für die Buchhaltung der Marienberger Gruben zuständig war. 1540 gab es über 500 Silbergruben um Marienberg. 20 davon förderten regelmäßig Silbererz. In dem Jahr erzielte Marienberg mit 10 t Silber die höchste Jahresfördermenge. Die größte Ausdehnung hatte das Revier 1555 mit 1.000 Gruben.

 

Mitte des 16. Jahrhunderts wurde der Wasserlochschacht auf den Bauer Morgengang abgeteuft. Der Silberabbau ging sehr früh in den Tiefbau über. Zur Entwässerung des Reviers wurde 1525 im Ostteil der Fürstenstolln angelegt, später 1650 der Königlich Tiefe Weißtaubner Stolln genannt. Auf der Westseite wurde ab 1530 der Felberstolln aufgefahren, später ab 1557 der Neuglücker Stolln. Für die Bereitstellung des sog. Aufschlagwassers, das zum Antrieb der Wasserräder und Kunstgezeuge zum Heben des Grubenwassers diente, wurde 1551 der Reitzenhainer Zeuggraben bis Lauta aufgefahren. Bereits 1562 erreichte der Kunstschacht der Grube Kaiser Heinrich eine Teufe von 350 m.

 

Anfang des 17. Jahrhunderts ging die Fördermenge im Marienberger Bereich deutlich zurück. 1614 kam es zu einem verheerenden Grubenbrand auf der Zeche Kaiser Heinrich. Der Schacht brannte aus, in der Folge soff das Bergwerk und alle umgebenden Gruben bis auf 270 m ab. Der Silberbergbau in Marienberg ging spürbar zurück und kam ein paar Jahre später durch den 30jährigen Krieg über lange Zeit vollständig zum Erliegen.

 

Die zweite Blütezeit ab 1766/67 verdankt der Marienberger Silberbergbau Friedrich Wilhelm Heinrich von Tebra. Als einer der ersten Absolventen der neu gegründeten Bergakademie in Freiberg wurde Tebra 1767 als Bergmeister in Marienberg eingesetzt. Tebra war gut vernetzt, u. a. war er mit Johann Wolfgang von Goethe befreundet, der nicht nur eine umfassende mineralogische Sammlung besaß mit Stücken aus dem Marienberger Silberbergbau sondern auch während seiner Beamtentätigkeit in den 1770ern die Modernisierung des Ilmenauer Bergbaus in Thüringen vorantrieb. Tebras guten Verbindungen zu holländischen und Leipziger Kaufleuten war es zu verdanken, dass genügend Kapital zur Verfügung stand, um den Silberbergbau in Marienberg zu modernisieren und auszubauen. Wassersäulenmaschinen wurden in die Schächte eingebaut, Pferdegöpel zur Förderung errichtet. Hunte aus Ungarn lösten die hölzernen Laufkarren für den Erztransport ab. Der Aufschwung währte aber nicht lange. 1771-1772 führten Mißernten zu einer Hungersnot. Die Fördermenge ging in den Folgejahren zurück. Das Vertrauen der Investoren in den Standort Marienberg schwand. Die Bergbauaktivitäten kamen erneut zu einem Stillstand. 1779 verließ Tebra Marienberg und übernahm die Funktion des Berghauptmanns im Braunschweiger Revier. 1801 übernahm er als Oberberghauptmann die Leitung des gesamten sächsischen Bergwesens.

 

1830 wurde der Weißtaubner Stolln vom Vater Abraham Schacht in Richtung Südwesten aufgefahren, um die reichen Erzgänge auf dem Elisabeth Flachen neu aufzuschließen. Ein Seitenflügel des Stollens erreichte 1836 in 130 m Teufe einen Durchschlag zum alten Wasserlochschacht aus dem 16. Jhdt. Dabei wurde eine reiche Erzlagerstätte entdeckt. Der Wasserlochschacht wurde daraufhin von 1838 bis 1839 zu einem Förderschacht ausgebaut. Für die Förderung wurde ein Pferdegöpel aufgebaut. Der Schacht erhielt zu Ehren des Bergmeisters Rudolph Hering den Namen Rudolph-Schacht. Der Pferdegöpel wurde 1877 von einer Dampfmaschine abgelöst. Der drastische Preisverfall des Silbers am Weltmarkt, verursacht durch die Entdeckung reicher Silbervorkommen in den USA und forciert durch die Einführung der Goldwährung im Deutschen Reich im Jahr 1873, führte bis Anfang des 20. Jahrhunderts zum Niedergang des Silbererzbergbaus in Sachsen. Der Rudolphschacht wurde 1899 stillgelegt.

 

Ein funktionsfähiger Nachbau des Pferdegöpels wurde 2005 fertiggestellt und kann heute als Teil des Schaubergwerks Rudolphschacht in Lauta besichtigt werden.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Stilllegung Max.
Belegschaft
Max.
Förderung
Besonderheit

Wasserlochzeche (Mitte 16. Jhdt)

Rudolphschacht (ab 1839)

1839 1899  - 10.794 kg Silber
(1540)

2005: Voll funktionsfähige Rekonstruktion
des Pferdegöpels im Schaubergwerk
Rudolphschacht in Lauta 

 

Fotogalerie

6. Bergbaubetrieb Aue (Wismut Objekt 09)

Fördergerüst des Bergbaubetriebs Aue Wismut Objekt 09 Schacht 371 in Hartenstein im Erzgebirge

Schon im 16. Jahrhundert war den Bergleuten der Silber- und Kobaltminen im Erzgebirge ein schweres schwarzes Mineral bekannt, das den Namen Pechblende erhielt. 1789 konnten Chemiker darin Uran nachweisen. Im böhmischen Joachimsthal wurde im 19. Jahrhundert Uran industriell für die Farbenherstellung abgebaut. Nach dem Zweiten Weltkrieg untersuchten sowjetische Geologen die Lagerstätten im Erzgebirge und fanden ergiebige Uranvorkommen. 1947 annektierte die Sowjetunion die Bergbaubetriebe des Erzgebirges und überführte sie in die Wismut AG. Die deutsche Zweigstelle des russischen Unternehmens hatte ihren Sitz in Aue und firmierte unter dem Namen Staatliche Aktiengesellschaft der Buntmetallindustrie Wismut, Aue. Die Wismut organisierte die Bergbaubetriebe im Erzgebirge in sog. „Objekten“, sämtliche Schächte wurden durchnummeriert.

 

Das Objekt 09 wurde im Herbst 1948 gegründet. Es umfasste ein Baufeld von 22 km² in der Region Niederschlema-Aue-Alberoda. Es war der größte Bergbaubetrieb der Wismut und verwaltete bis zu seiner Stilllegung 9 Stollen, 21 Schächte und 30 Blindschächte. Die größte Teufe erreichte das Bergwerk auf Schacht 371 in Hartenstein. Der Schacht wurde von 1956 bis 1959 als Zentralschacht des Objekts 09 abgeteuft. 1986 wurde die Endteufe von 1.837,6 m erreicht. Schacht 371 wurde damit bis heute zum tiefsten Schacht Europas. Die Belegschaft betrug in Spitzenzeiten 13.000 Mitarbeiter. Von 1949 bis zur Stilllegung 1991 produzierte das Bergwerk 73.125 t Uran. Hauptabnehmer war die Sowjetunion. 

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Max.
Belegschaft
Max.
Förderung
Besonderheit

Wismut Objekt 09
(ab 1949)

1948 1949 1991 13.000 4.553 t
Uran (1963)

1986: Mit einer Endteufe von 1.837,6 m
wird Schacht 371 tiefster Schacht Europas

  

Fotogalerie

Quellenverzeichnis

  • Wendler 2003:
    Lothar Wendler: "Als im Erzgebirge die Münzprägehammer klangen", Druckerei & Verlag Mike Rockstroh, Aue - Juli 2003, ISBN 3-937190-02-3
  • Ihle/Müller 2014:
    Frank Ihle, Steve Müller: "Geschichte des Marienberger Bergbaus - Übersicht der wichtigsten Ereignisse", Papierflieger Verlag GmbH, Clausthal-Zellerfeld, 1. Auflage 2012, erweitert 2014, ISBN 978-3-86948-209-5

  • Pfeifer 2012:
    Jens Pfeifer: "Die Fahrkünste im Freiberger Revier mit besonderer Berücksichtigung des Fahrkunstunglücks vom 29. Februar 1880 auf dem Abrahamschacht der Himmelfahrt Fundgrube." veröffentlicht in "Bergbau und Kunst. Band III Technische Künste (Wasserkunst, Wetterkunst, Markscheidekunst, Förderkunst, Fahrkunst, Schmelzkunst etc.)", Tagungsband 11. Montanhistorischer Kongress Schwaz, Hall in Tirol, Sterzing 2012. Hrsg.: Wolfgang Ingenhaeff, Johann Bair, Berenkamp Verlag, Wattens, 2013. Seite 195-225. Link