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Die Zechen im Aachener Revier, Industriekultur, Fotografie, Der Landgraph

Das Döhlener Becken


Eine fotografische Spurensuche

 

Die erste urkundliche Erwähnung des Steinkohlenbergbaus im Döhlener Becken stammt aus dem Jahr 1542. Der kurfürstliche Münzmeister Hans Biener erhielt das Privileg zum Steinkohleabbau. Wie auch in anderen Regionen wurde die Kohle im 16. Jahrhundert oberflächennah abgebaut. Für das Jahr 1558 sind Alaunsiedereien in Zschiedge (Freital) dokumentiert, die Steinkohle zu Schwefelsäuresalz weiterverarbeiteten, das zum Gerben und Beizen von Ledern und Stoffen verwendet wurde. Der Freiberger Bergschöffenspruch von 1612 wies landesfürstliche Ansprüche auf Stein­kohlevor­kommen zurück. Das Recht auf abgabenfreien Abbau von Kohle lag damit beim Grundbesitzer. Im Dreißigjährigen Krieg kam der aufkeimende Stein­kohlen­berg­bau zum Erliegen.

 

Im Stein­kohlen­mandat von 1743 wird erneut der steuerfreie Abbau von Stein­kohle unter die Hoheit der Grundbesitzer gestellt. Die zunehmende Holzknappheit im Erzgebirge, verursacht durch die Schmelzhütten der Erz­gewinnung, führte im 18. Jahrhundert zu einem Aufschwung des Stein­kohlen­berg­baus. 1745 wurde die Döhlische Steinkohlen-Gewerkschaft in Niederhermsdorf gegründet. 1769 arbeiteten 80 Hauer im Kohlberg. In der zweiten Hälfte des 18. Jhdt. existierten ca. 30 private Kohlengruben im Döhlener Becken, die im Stollenabbau mit tieferen Wasserlösungsstollen Stein­kohle förderten.

 

Von 1799 bis 1822 erwarb die Landesherrschaft sämtliche Grubenfelder und Schächte links der Weißeritz und konsolidierte sie in das Königliche Stein­kohlen­werk Zauckerode. In Burgk erlangte Freiherr Dathe von Burgk durch Vererbung fünf bestehende Schachtanlagen und gründete das zweite große Bergwerk im Döhlener Becken: das Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerk.

 

1810 wurde im Königlichen Werk die nasse Kohlenaufbereitung (Kohlenwäsche) erfunden. 1869 ereignete sich das schwerste Grubenunglück Sachsens: 276 Bergleute kamen bei einer Schlagwetterexplosion in Burgk ums Leben. 1882 wurde im Oppelschacht die erste elektrische Grubenbahn der Welt in Betrieb genommen.

 

Die Kohlelagerstätten im Döhlener Becken lagen zu ungünstig oder waren zu klein, als dass sie vom technischen Fortschritt im Bergbau Anfang des 20. Jahrhundert stark profitieren konnten. Auch gingen der Erste Weltkrieg und die Weltwirtschaftskrise der 1920er Jahre nicht spurlos an dem Revier vorbei. Das Werk in Burgk wurde 1930 geschlossen. Die wenigen verbliebenen Schächte des Königlichen Werks wurden 1918 verstaatlicht und 1923 in die Aktiengesellschaft Sächsische Werke überführt, die noch bis Ende des Zweiten Weltkriegs mit wenigen Schächten aktiv war.

 

Nach dem Krieg wurde der VEB Stein­kohlen­werk Freital gegründet, der die noch vorhandenen Schächte übernahm. Aufgrund der Kohleknappheit in der Nachkriegszeit wurde das Untere Revier in Burg neu erschlossen. 1947 entdeckten sowjetische Geologen ein Uranvorkommen in Burgk. Das Untere Revier wurde daraufhin von der SDAG Wismut konfisziert, die bis 1949 Aktivkohle (uranerzführende Steinkohle) abbauten. In Gittersee, am nordöstlichen Rand des Döhlener Beckens, wurden 1950 neue Schächte abgeteuft, die bis 1967 Steinkohle förderten. In den Sechzigern waren die Lagerstätten erschöpft, die Kohlequalität nahm rapide ab. Der Steinkohlenbergbau wurde zusehends unrentabel und letztendlich 1967 eingestellt. Die Anlagen wurden von der SDAG Wismut übernommen, die noch bis 1989 Uranerz in den ehemaligen Kohlenschächten abbaute. Von 1861 bis 1967 wurden im Döhlener Becken in Summe 40,2 Mio. t Kohle abgebaut.

 

 

Lageplan Döhlener Becken

Zwickauer Steinkohlenrevier, Karte Zwickauer Steinkohlenrevier, Zechen Zwickau

1. Königlich Sächsische Steinkohlenwerke Zauckerode

2. Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke

3. Steinkohlenwerk Freital


Die Zechen im Döhlener Becken


 

 

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1. Königlich Sächsische Steinkohlenwerke Zauckerode

Betriebsgebäude der Zeche Königlich Sächsische Steinkohlenwerke Zauckerode Oppelschacht in Freital im Döhlener Becken

Von 1799 bis 1822 kaufte der Kurfürst Friedrich August nach und nach die privat von Grundbesitzern betriebenen Stollenbergwerke links der Weißeritz auf und konsolidierte sie in das 1806 gegründete Königliche Steinkohlenwerk Zauckerode. Die Förderung konzentrierte sich an­fangs auf den 1799 erworbenen Leopold Erbstolln. Nach Gründung der Gesellschaft im Jahr 1806 wurde ein neuer leistungsstarker Wasserhaltungsschacht geplant. Der Neue Döhlener Kunstschacht wurde ab 1806 in unmittelbarer Nach­bar­schaft zum Alten Döhlener Kunstschacht aus dem Jahr 1740 abgeteuft.

 

Im Sommer 1808 führte ein Hochwasser der Wiederitz zum Ausfall des Zauckeroder Kunstschachts aus dem Jahr 1774. 1809 wurde daher der Neue Zauckeroder Kunstschacht angesetzt. Mit dem Durchschlag zum Zauckeroder Kunstschacht Ende 1811 konnte schließlich die Sümpfung des Zauckeroder Reviers in Angriff genommen werden.

 

1810 gelang es Ernst Friedrich Wilhelm Lindig, Faktor am Königlichen Steinkohlenwerk Zauckerode, ein neues Verfahren der nassen Kohlenaufbereitung zu entwickeln. Der später Kohlenwäsche genannte Prozess nutzt die unterschiedliche Dichte von Kohle und Gestein zur Trennung in großen Wasserbecken. Die leichtere Kohle schwimmt auf, das schwerere Gestein sinkt zu Boden. Die Erfindung war bahnbrechend für die Industrialisierung der Kohleproduktion. Sie löste das manuelle Auslesen der Kohle durch Frauen, Tagejungen und invalide Bergleute ab. Die Kohlenwäsche setzte sich schnell in allen Bergbauregionen der Welt durch.

 

1817 begannen die Arbeiten am Tiefen Elbstolln, einem 6 km langen Entwässerungsstollen auf dem Gebiet von Freital und Dresden. Er wurde 1836 fertiggestellt und diente als Hauptentwässerungsstollen für das Döhlener Becken. 1820 ging in Zauckerode die erste Dampfmaschine im sächsischen Steinkohlenbergbau in Betrieb. Die Pumpe hob während des Stollenvortriebs das Wasser aus dem Tiefen Elbstolln.

 

1840 übernahm der 1832 abgeteufte Oppelschacht die Wasserhaltung und Förderung des Zauckeroder Kunstschachts, der daraufhin stillgelegt wurde. 1872 begannen die Arbeiten an der Doppelschachtanlage Königin-Carola, die 1874 die Förderung aufnahm.

 

1882 baute Bergrat Bernhard Förster in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Siemens & Halske die erste elektrisch betriebene Grubenbahn der Welt mit einer Streckenlänge von 620 m. Kohlebefeuerte Dampflokomotiven konnten wegen der Bewetterungsproblematik und der Gefahr von Schlagwetterexplosionen untertage nicht eingesetzt werden. Die elektrische Grubenbahn löste die bis dahin genutzte Pferdebahn ab. Die Lokomotive mit dem Namen Dorothea war die erste elektrische Lokomotive im Dauerbetrieb weltweit.

 

Die Lagerstätten im Zauckeroder Revier waren nicht sehr ergiebig und hatten eine ungünstige Lage. Das Königliche Steinkohlenwerk konnte die schnell fortschreitende technologische Entwicklung im Steinkohlenbergbau nicht für die Erhöhung der Wirtschaftlichkeit nutzen. Der Erste Weltkrieg und der Absatzrückgang in der Nachkriegszeit führten letztendlich zur Schließung vieler Schächte.

 

Mit Beendigung der Monarchie im Jahr 1918 wurde das Unternehmen in Staatliches Steinkohlenwerk Zauckerode umbenannt und die wenigen verbliebenen Schächte und aktiven Baufelder vom sächsischen Finanzministerium verwaltet. 1924 wurde das Werk in die 1923 gegründete Aktiengesellschaft Sächsische Werke eingegliedert. Alleiniger Aktionär war der junge Freistaat Sachsen. Während die Burgker Werke 1930 schließen mussten, wurde in Zauckerode 1935 das Lichtloch 21 in Niederhermsdorf neu aufgewältigt und 1938 in Förderung genommen. Der Schacht war bis Ende des Zweiten Weltkriegs in Betrieb.

 

1946 wurden die Zauckerode Schächte erst der Industrieverwaltung I Steinkohle Zwickau, Zweigbetrieb Freital unterstellt, dann 1948 in den neu gegründeten VEB Steinkohlenwerk Freital überführt.

 

Von den Anlagen ist wenig erhalten geblieben, z. B. das Betriebsgebäude am Oppelschacht in Freital. Die erste elektrische Grubenbahn der Welt ist im Bergbaumuseum auf Schloss Burgk ausgestellt. Das Fördergerüst am Oppelschacht stammt vom VEB Steinkohlenwerk Willi Agatz, Schacht 2 in Gittersee und wurde 2001 als Industriedenkmal zum Oppelschacht versetzt.

 

Namen des Bergwerks
Jahr Name
ab 1806 Königlich Sächsische Steinkohlenwerke im Plauenschen Grunde
ab 1860 Königlich Sächsisches Steinkohlenwerk Zaukeroda
ab 1880 Königlich Sächsisches Steinkohlenwerk Zauckerode
ab 1918 Staatliches Steinkohlenwerk Zauckerode
ab 1923 Aktiengesellschaft Sächsische Werke
ab 1946 Industrieverwaltung I Steinkohle Zwickau, Zweigbetrieb Freital
ab 1948 VEB Steinkohlenwerk Freital

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Max.
Belegschaft
Max.
Förderung
Besonderheit

Königlich Sächsisches
Steinkohlenwerk Zauckerode

1806 1806 1946 1.324
(1876)
280.353 t
(1896)

1810: Erfindung der nassen Kohlenaufbereitung
(Kohlenwäsche)

1882: erste elektrische Grubenbahn der Welt
im Zauckeroder Oppelschacht auf 620 m Länge,
gleichzeitig die erste elektrische Lokomotive
der Welt im Dauerbetrieb

 

Schächte der Königlich Sächsische Steinkohlenwerke Zauckerode
Schacht Adresse GPS Teufbeginn Förderbeginn

Stilllegung

Max.
Teufe
Alter Döhlener Kunstschacht Wilsdruffer Str. 5
01705 Freital
51.010048, 13.654826 1740 - 1820 104 m
Zauckeroder Kunstschacht Am Kleinen Weg 7
01705 Freital
51.017839, 13.641539 1774 - 1808 48 m
Neuer Kunstschacht
(Döhlener Kunstschacht)
Wilsdruffer Str. 5
01705 Freital
51.009794, 13.654475 1806 1806 1883 191 m
Wilhelmschacht - - 1806 - - -
Neuer Zauckeroder
Kunstschacht
Wilsdruffer Str.
01705 Freital
51.017117, 13.640697 1809 1811 1840 69 m
Grenzschacht Burgker Straße
01705 Freital
51.005373, 13.661134 1810 1812
gestundet
1812 56 m
Tiefer Elbstolln - - 1817 1836 - 51 m seiger
(6.024 m flach)
Antonschacht Wilsdruffer Str. 103
01705 Freital
51.019442, 13.634792 1825 - 1895 89 m
Neu Leopold Schacht - - 1832 - - -
Oppelschacht
(Friedrichschacht)
Oppelstraße
01705 Freital
51.015973, 13.639661 1832 1833 1927 222 m
Albertschacht Albertschacht
01705 Freital
51.021636, 13.622597 1835 1835 1922 204 m
Lichtloch 21
Tiefer Weißeritzstolln
Gartenstraße 23
01705 Freital
51.024649, 13.611483 1839 1841 1946
an Freital
abgegeben
79 m
Ernst Strecke Wilsdruffer Straße
01705 Freital
51.008610, 13.658180 1845 1846 1959 -
Georgschacht Am Wetterschacht
01705 Freital
51.025426, 13.614111 1848 1848 1946
an Freital
abgegeben
124 m
Mehnerschacht Wilsdruffer Str. 50
01705 Freital
51.013838, 13.647789 1850 1850 1902 37 m
Döhlener Wetterschacht Dresdner Str. 124
01705 Freital
51.006861, 13.657167 1858 1858 1908 164 m
Königin-Carola-Schacht 1 Schachtstraße
01705 Freital
51.004336, 13.640978 1872 1874 1946
an Freital
abgegeben
415 m
Königin-Carola-Schacht 2 Schachtstraße
01705 Freital
51.003856, 13.640189 1876 1879 1946
an Freital
abgegeben
415 m
Königin-Carola-
Wetterschacht
Schachtstraße
01705 Freital
51.003989, 13.640017 1877 - 1946
an Freital
abgegeben
-
Albertschacht
Wetterschacht
Albertschacht
01705 Freital
51.021809, 13.622600 1880 - 1922 104 m
Oppel Wetterschacht Oppelstraße
01705 Freital
51.016262, 13.639838 1883 1884 1946
an Freital
abgegeben
85 m
König-Georg-Schacht Hauptstraße 1B
01705 Freital
51.002647, 13.617036 1902 1906 1937 575 m

 

Fotogalerie

2. Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke

Malakowturm der Zeche Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerk Marienschacht in Bannewitz im Döhlener Becken

Im Bereich von Schloss Burgk wurde bereits im 16. Jahrhundert Kohle abgebaut. 1767 ließ Carl Gottfried Dathe neue Schächte abteufen und trieb den Burgker Weißeritzstolln zur Entwässerung des Bergwerks vor. 1819 erbte Carl Friedrich August Freiherr Dathe von Burgk nach dem Tod seiner Tante das Rittergut mitsamt Bergwerk und fünf aktiven Schächten. Er gründete im selben Jahr die Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke. Die Schächte Alter Schacht und Kunstschacht stammten noch aus der Zeit vor 1774, Bergerschacht, Bormannschacht und Wilhelminenschacht waren zwischen 1810 und 1815 abgeteuft worden.

 

Danthe modernisierte das Bergwerk umfassend. 1820 wurde der Erdmannschacht abgeteuft. 1821 kam auf dem Wilhelminenschacht die zweite Dampfmaschine im Döhlener Becken zum Einsatz. 1823 wurde eine Kohlenwäsche eingerichtet. Eine handbetriebene Haspel wurde durch einen Pferdegöpel ersetzt. Hunte aus dem Erzbergbau lösten die mühselige Schubkarrenförderung ab. Eine Kokerei wurde gebaut, die die Freiberger Hüttenwerke mit Eisenkoks belieferte. Eine Leuchtgasanlage versorgte Schachtgebäude, Huthaus und das Schloss mit Gaslicht. Es war die zweite Anlage dieser Art auf dem Kontinent. 1828 wurde die Tagesstrecke Oberes Revier auf eine Länge von 1.300 m aufgefahren. Die tonnlägige Strecke diente der Befahrung und als Wetterstollen des Oberen Reviers. Sie ist heute Teil des Besucherbergwerks Tagesstrecke Oberes Revier Burgk und kann besichtigt werden.

 

1835 wurde der Fortunaschacht abgeteuft. Für die Förderung wurde 1836 erstmalig im Revier eine Förderdampfmaschine eingesetzt. Ab 1839 waren die Lagerstätten im Unteren Revier abgebaut, eine Reihe von Schächten des Unteren Reviers wurde schrittweise von 1839 bis 1893 stillgelegt.

 

Danthe erkannte bald die Möglichkeiten der Angliederung von eisenverarbeitenden Betrieben. Er erwarb 1827 zwei veraltete Eisenhammer (Handwerksbetrieb zur Herstellung von Schmiedeeisen) und baute diese zu einer Eisenhütte aus. 1844 gründete er einen Betriebskindergarten, 1857 ein Werkskrankenhaus für die Belegschaft.

 

1849 wurde die Tagesstrecke Unteres Revier aufgefahren. Sie diente der Fahrung des Wilhelminenschachts und des Augustusschachts. 1856 wurde der Segen-Gottes-Schacht abgeteuft. In diesem Schacht kam es 1869 zu einer verheerenden Schlagwetterexplosion mit 276 Toten. Nur 3 Bergleute konnten sich über die Tagesstrecke Oberes Revier retten. Es war das größte Grubenunglück Sachsens.

 

Erst 1872 ersetzte die Seilfahrt die bis dahin umständliche Fahrung über die Tagesstrecke Oberes Revier. 1885 wurde der Marienschacht in Bannewitz errichtet. Es war der letzte Schacht des Bergwerks und zugleich der tiefste. Seine Endteufe betrug 556 m. Der Förderturm des Marienschachts ist der letzte erhaltene Malakowturm im Döhlener Becken.

 

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Förderung rückläufig. Viele Lagerstätten waren verhauen oder unwirtschaftlich. Nach dem Ersten Weltkrieg waren nur noch der Glückauf-Schacht und der Marienschacht aktiv. Beide förderten im April 1930 die letzte Hunt Kohle zutage. Das Bergwerk wurde 1930 stillgelegt.

 

Das Untere Revier wurde nach dem Zweiten Weltkrieg noch einmal vom Steinkohlenwerk Freital aufgewältigt, um Restvorkommen zu erschließen. Etwa 260 Bergleute förderten 1946 unter der Leitung der Hauptverwaltung Steinkohle Zwickau. Sowjetische Geologen entdeckten Juli 1947 in Burgk ein Uranerzvorkommen. Das Untere Revier wurde daraufhin konfisziert und der SDAG Wismut übertragen, die bis 1949 die Aktivkohle (uranerzhaltige Steinkohle) abbaute. Danach wurde das Untere Revier wieder dem Steinkohlenwerk Freital übertragen. Es wurde 1953 endgültig stillgelegt.

 

Der Marienschacht wurde vom VEB Steinkohlenwerk Freital 1957 neu aufgewältigt, um die Kohle aus den Restpfeilern des benachbarten Glückauf Feldes abzubauen. 1967 waren die Restkohlevorkommen erschöpft. Einige Kohletypen wiesen als Bestandteil Uranerze auf. Daher übernahm 1968 auch hier die SDAG Wismut den Betrieb und baute bis 1989 Erzkohle ab.

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Max.
Belegschaft
Max.
Förderung
Besonderheit

Freiherrlich von Burgker
Steinkohlen- und Eisenhütten-
werk (ab 1819)

1819 1822 1930 1.750
(1868)
262.382 t
(1908)

1828: Bau einer Gaserzeugungsanlage
für die öffentliche Beleuchtung von Burgk
(2. Anlage in Europa)

1869: größte Schlagwetterexplosion im
sächsischen Bergbau mit 276 Toten

 

Schächte der Freiherrlich von Burgker Steinkohlen- und Eisenhüttenwerke
Schacht Adresse GPS Teufbeginn Förderbeginn

Stilllegung

Max.
Teufe
Alter Schacht - - vor 1774 vor 1774 1839 -
Kunstschacht - - vor 1774 vor 1774 1845 -
Bergerschacht Bergerschachtweg
01705 Freital
51.003630, 13.676270 1810 - 1867 168 m
Bormannschacht Bormanns Berg
01705 Freital
51.002541, 13.672583 1812 - 1846 103 m
Wilhelminenschacht Windbergallee 4
01705 Freital
51.001979, 13.664664 1815 - 1915 207 m
Erdmannschacht Windbergallee
01705 Freital
51.001971, 13.664101 1820 1822 1846 122 m
Tagesstrecke Oberes Revier Altburgk 61
01705 Freital
51.004069, 13.670021 1828 1832 - -
Fortunaschacht Knappenweg
01705 Freital
50.999964, 13.677667 1835 1836 1865 258 m
Neuhoffnungsschacht Kohlenstraße 40
01705 Freital
50.995140, 13.673200 1837 1841 1901 393 m
Tagesstrecke Unteres Revier Altburgk 41
01705 Freital
51.004610, 13.665660 1849 1852 1930 -
Segen-Gottes-Schacht Am Segen 3
01705 Freital
50.989564, 13.678415 1856 1862 1916 499 m
Glückauf-Schacht Horkenstraße
01728 Bannewitz
50.990833, 13.696667 1867 1871 1930 408 m
Marienschacht Schachtstraße 12
01728 Bannewitz
50.996178, 13.704266 1886 1891 1930 556 m

 

Fotogalerie

3. Steinkohlenwerk Freital

Fördergerüst der Zeche Steinkohlenwerk Freital Schacht 2 in Gittersee im Döhlener Becken

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Sachsen eine enorme Kohleknappheit. 1945 wurde daher der VEB Steinkohlenwerk Freital gegründet mit dem Ziel, die noch vorhandenen Restkohlevorkommen im Döhlener Becken ab­zu­bauen. Die wenigen verbliebenen Zauckeroder Schächte wurden in das Steinkohlenwerk Freital überführt. Sie konnten trotz schlechten Zustands weiterfördern.

 

Das Untere Revier in Burgk wurde 1945 unter städtischer Verwaltung neu aufgewältigt. Eine Reihe von neuen Schächten wurde abgeteuft. 1946 wurde das Untere Revier ebenfalls in das Steinkohlenwerk Freital eingegliedert.

 

1948 wurde das Steinkohlenwerk in den VEB Steinkohlenwerk Freital überführt. Die Lagerstätten des Döhlener Beckens waren nahezu verhauen. Die Produktion konzentrierte sich daher in den ersten Jahren auf den Abbau der Restkohlenpfeiler, die aus Sicherheitsgründen in der Vergangenheit stehen gelassen worden waren.

 

Erkundungsbohrungen in der Kohlsdorf-Pesterwitzer Neben­mulde blieben erfolglos und wurden 1947 eingestellt. Im Bereich Nieder­herms­dorf wurde die Förderung 1952 eingestellt, nachdem die Kohlevorräte erschöpft waren. Im Unteren Revier wurde 1947 Uran gefunden und bis 1949 von der Wismut AG abgebaut. Danach wurde das Revier wieder an das Steinkohlenwerk Freital zurückgegeben. Der Steinkohlenabbau musste aber 1953 eingestellt werden, als auch hier die Kohlevorräte erschöpft waren.

 

1950 begann das Werk in Gittersee mit dem Abteufen zweier neuer Schächte mit dem Ziel, die verbliebenen Restpfeiler des Burgker Reviers abzubauen. 1952 übernahm der VEB Steinkohlenwerk Freital die Reviere Heidenschanze und Gittersee von der SDAG Wismut. 1958 erhielt das Werk den neuen Namen VEB Steinkohlenwerk Willi Agatz. 1959 wurde der Königin-Carola-Schacht (Döhlen) und der Arthur-Teuchert-Schacht (Zauckerode) stillgelegt. Auch hier waren die Lagerstätten verhauen. 1962 wurde das Feld Heidenschanze abgeworfen.

 

1957 wurde der Marienschacht neu aufgewältigt. Bis 1961 wurden Querschläge zum 1930 stillgelegten Glückauf-Schacht in Bannewitz und zum Schacht 2 in Gittersee eingerichtet. Der Abbau der Restkohlenpfeiler begann im selben Jahr. Ab 1963 wurde im Auftrag der SDAG Wismut neben der Steinkohle auch uranhaltige Erzkohle abgebaut. 1967 waren die Steinkohlevorräte abgebaut. Die Förderung wurde eingestellt. 1968 übernahm die SDAG Wismut das Steinkohlenwerk und führte es unter der Bezeichnung Bergbaubetrieb Willi Agatz weiter. Noch bis 1989 förderte der Betrieb Erzkohle aus den Revieren Glittersee und Bannewitz.

 

Die Fördergerüste der drei Gittersee Schächte des Steinkohlenwerks Willi Agatz wurden als Industriedenkmal erhalten und nach Freital bzw. Oelsnitz umgesetzt:

  • Schacht Gittersee 1: 2003 zum Besichtigungsbergwerk nach Burgk.
  • Schacht Gittersee 2: 2001 zum Oppelschacht nach Freital.
  • Schacht Gittersee 3: 1997 zum Bergbaumuseum nach Oelsnitz. 

 

Zechensteckbrief
Namen der Zeche Gründung Förderbeginn Stilllegung Gesamte
Förderung
Besonderheit

VEB Steinkohlenwerk
Freital (ab 1946)

VEB Steinkohlenwerk
Willi Agatz (ab 1958)

1945 1946 1967 2.900.000 t
(1945-1967)

1963-1967: Auch Abbau von Uranerzen
(Erz-/Aktivkohle) im Auftrag der SDAG Wismut

1967: Übernahme aller Anlagen durch SDAG Wismut und
Förderung der Erzkohle (Uran) in den alten Kohlenschächten bis 1989

 

Schächte des Steinkohlenwerks Freital
Schacht Adresse GPS Teufbeginn Förderbeginn

Stilllegung

Max.
Teufe
Lichtloch 21 Gartenstraße 23
01705 Freital
51.024649, 13.611483 1839 1946 von
Zauckerode
übernommen
1952 79 m
Georgschacht Am Wetterschacht
01705 Freital
51.025426, 13.614111 1848 1946 von
Zauckerode
übernommen
1959 124 m
Oppel
Wetterschacht
Oppelstraße
01705 Freital
51.016262, 13.639838 1883 1946 von
Zauckerode
übernommen
1959 85 m
Arthur-Teuchert-
Schacht
Oppelstraße
01705 Freital
51.016195, 13.640224 1946 1947 1959 105 m
Königin-Carola
Schacht 1
Schachtstraße
01705 Freital
51.004336, 13.640978 1872 1946 von
Zauckerode
übernommen
1959 415 m
Königin-Carola
Schacht 2
Schachtstraße
01705 Freital
51.003856, 13.640189 1876 1946 von
Zauckerode
übernommen
1959 168 m
Königin-Carola-
Wetterschacht
Schachtstraße
01705 Freital
51.003989, 13.640017 1877 1946 von
Zauckerode
übernommen
1959 80 m
Unteres Revier
Schacht 1
Am Schloßgarten 2-10
01705 Freital
51.004388, 13.667227 1945 1946 von
Unteres Revier
übernommen
1953 26 m
Unteres Revier
Schacht 2
Burgker Str. 4
01705 Freital
51.004977, 13.661020 1945 1946 von
Unteres Revier
übernommen
1953 91 m
Unteres Revier
Schacht 3
Damms Weg
01705 Freital
51.004539, 13.672011 1945 1946 von
Unteres Revier
übernommen
1953 18 m
Unteres Revier
Schacht 4
Burgker Straße
01705 Freital
51.006294, 13.661916 1945

1946 von
Unteres Revier
übernommen

1953 7 m
Bremsberg 203 Damms Weg
01705 Freital
51.004715, 13.672359 1945 1946 von
Unteres Revier
übernommen
1953 60 m
Tagesstrecke 211 Am Schloßgarten 25-11
01705 Freital
51.004291, 13.669783 1945 1946 von
Unteres Revier
übernommen
1953 3 m
Tagesstrecke
Unteres Revier
Altburgk 41
01705 Freital
51.004610, 13.665660 1945 neu
aufgewältigt
1945 1953 -
Tagesstrecke
Oberes Revier
Altburgk 61
01705 Freital
51.004069, 13.670021 1945 neu
aufgewältigt
1945 1953 -
Heidenschanze
Schacht 4
Zschiegder Weg
01705 Freital
51.011813, 13.674296 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1962 192 m
Heidenschanze
Schacht 8
Potschappler Straße
01189 Dresden
51.015645, 13.687255 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1959 269 m
Heidenschanze
Schurf 60
Collmweg
01189 Dresden
51.015995, 13.681559 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1958 43 m
Heidenschanze
Wetterschurf
Freitaler Str. 9
01189 Dresden
51.016175, 13.693610 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1957 45 m
Heidenschanze
Fallort 300
Heidenschanze
01189 Dresden
51.018509, 13.685336 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1959 56 m
Heidenschanze
Fallort 350
Freitaler Str. 9
01189 Dresden
51.017393, 13.692500 1948 1956 von
Heidenschanze
übernommen
1959 45 m
Gittersee 1 Cunnersdorfer Straße
01705 Freital
51.004375, 13.689858 1950 1956 1967 an
SDAG Wismut
abgegeben
546 m
Gittersee 2 Cunnersdorfer Straße
01705 Freital
51.003867, 13.689586 1950 1956 1967 an
SDAG Wismut
abgegeben
232 m
Gittersee 3
(Schacht 360)
Bergerschachtweg
01705 Freital
51.003844, 13.675615 1953 1955 von
Wismut
übernommen
1967 an
SDAG Wismut
abgegeben
166 m
Tagesstrecke Schacht 5
(Schacht 361)
Leisnitz 37
01705 Freital
51.005517, 13.671502 1952 1955 von
Wismut
übernommen
1967 an
SDAG Wismut
abgegeben
55 m
Marienschacht Schachtstraße 12
01728 Bannewitz
50.996178, 13.704266 1957 neu
aufgewältigt
1960 1967 an
SDAG Wismut
abgegeben
569 m

 

Fotogalerie

Quellenverzeichnis

  • Puls/Vogel 1992:
    Juliane Puls/Rolf Vogel: "Der Bergbau im Döhlener Becken von 1945 bis 1989", Haus der Heimat Freital 1992
  • Wilsdorf 1985:
    Helmut Wilsdorf: "Dokumente zur Geschichte des Steinkohlenabbaus im Haus der Heimat 1542-1882", Haus der Heimat, Kreismuseum Freital 1985