Durch die Gebirgsauffaltung des Teutoburger Waldes gelangten tiefergelegene kohlehaltige Schichten in der Ibbenbürener Region aus über 2km Tiefe an die Oberfläche. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde der Ibbenbürener Kohlenabbau im Jahr 1564. Ende des 17. Jahrhunderts stieß man mit Hilfe eines Wasserlösungsstollens in die Tiefe vor. Bereits 1822 wurde die erste maschinelle Fördereinrichtung in Betrieb genommen. Ab 1825 wurden Dampfmaschinen zur Entwässerung eingesetzt. 1942 wurde in Ibbenbüren von Konrad Grebe der Einheitshobel erfunden, mit dem niedrige Flöze abgebaut werden konnten. Durch die Entwicklung immer neuerer Technologien wurde Ibbenbüren zum Vorreiter der vollmechanisierten Kohleförderung im deutschen Kohlebergbau. Mit einer Teufe von 1545m zählt Ibbenbüren zu den tiefsten Steinkohlebergwerken Europas. Tiefer hinab ging es nur auf der Zeche Monopol in Bergkamen (1635m) und auf der Zeche Saar im Saarland (1751m). 

Zechen


Ibbenbürener Steinkohlenrevier

Übersicht der vom mir fotografierten Zechen

Zeche Ibbenbüren


1747 wurde die Grube Schafberg von seinem Pächter an den preussischen Staat verkauft, der von da an den Betrieb der Ibbenbürener Bergwerke übernahm und ausbaute. 1803 wurden die Arbeiten am Glücksburger Oberstollen aufgenommen. 1822 wurde der Abendsternschacht der Zeche Glücksburg abgeteuft. Für dessen Entwässerung wurde ab 1825 eine Dampffördermaschine eingesetzt.

 

Als Teil der Grube Schafberg wurde 1824 der Morgensternschacht eröffnet. Er erhielt 1943 einen gemauerten Förderturm. Er wurde 1979 stillgelegt und verfüllt. Der Schacht Oyenhausen wurde 1858 eröffnet, um die steigende Nachfrage der Eisenbahn nach Kohle zu decken. Mit zunehmenden Vorrücken des Kohleabbaus Richtung Osten wurde 1888 der Theodorschacht in Laggenbeck geteuft. Das erleichterte den Bergleuten die Anfahrt vor Kohle und verbesserte die Bewetterung. 

 

Das Bergwerk Ibbenbüren hatte immer mit einem hohen Wasserstand zu kämpfen. 1894 kam es zur Katastrophe. Die Zeche soff in wenigen Wochen komplett ab. Das Bergwerk wurde massiv umgebaut, so wurde z.B. das Westfeld gegründet, das bis 1979 aktiv war. Große Pumpen unterstützten die Sümpfung (Entwässerung) zwischen 1896 bis 1898. So konnte das Bergwerk 1899 seinen Betrieb wieder aufnehmen. 

 

Das Bergwerk war bis 1923 in preußischem Staatsbesitz, wurde danach privatisiert und von der Preußag weitergeführt. 1941 wurde in Ibbenbüren vom gebürtigen Saarländer Konrad Grebe der Kohlehobel erfunden. Die Erfindung, die 1942 patentiert wurde, verdoppelte den Strebfortschritt von 1,5m auf 3m pro Tag. 

 

1956/1957 wurde der Nordschacht in Mettingen eröffnet und der Kohleabbau Richtung Norden ausgeweitet. Da die Kohleflöze Richtung Norden immer weiter in die Tiefe gehen, wurde der Nordschacht Sohle für Sohle in die Tiefe ausgebaut (1960: 808m, 1974: 1355m (5. Sohle), 1986-88: Endteufe 1545m). Ibbenbüren wurde damit eine der tiefsten Steinkohlegruben der Welt. Im Vergleich: Bergwerk Monopol (Bergkamen): 1635m tiefster Steinkohleschacht im Ruhrgebiet, Bergwerk Saar (Ensdorf, Saarland): 1751m tiefster Steinkohleschacht Europas. Tiefer kam in Deutschland nur Schacht 371 des Uranbergwerks Aue mit 1.800m. Noch tiefer hinab geht es in den Goldminen in Südafrika: 4.000m, was nur durch einen dickeren Erdmantel in Afrika ermöglicht wird. In Europa steigt die Temperatur je 30 m Tiefe um 1°C. Das macht bei einer Tiefe von 1.500m ein natürliche Gesteinstemperatur von ca. 45°C. Ohne eine extra gekühlte Bewetterung wäre die Arbeit unter Tage in dieser Tiefe nicht mehr möglich.

 

In Ibbenbüren wurde Anthrazitkohle gefördert. Hauptabnehmer war das Ibbenbürener Kraftwerk, das 1905 als reines Zechenkraftwerk gebaut wurde. 1967 erfolgte die Ausweitung um das RWE Kraftwerk Block A und 1981 folgte Block B mit einer Gesamtleistung von 850 Megawatt. Mit seinem 110 m hohen Kühlturm  und dem 275 hohen Schornstein prägt das Kraftwerk die Skyline von Ibbenbüren und wurde zum weit sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. Weitere Abnehmer der hochwertigen Anthrazitkohle waren Unternehmen und Haushalte der weiteren Umgebung. Ca. 400.000 t Kohle wurden jährlich als Hausbrand verbraucht.

 

Die Zeche Ibbenbüren wurde am 17. August 2018 als zweitletztes aktives Steinkohlebergwerk in Deutschland stillgelegt. Kurz vor der Stilllegung kam es zum bislang letzten tödlichen Minenunfall in Deutschland, bei dem ein 29-jähriger Kumpel starb. 

 

Quellen: RAG Chronik, RAG HistorieWikipedia.

 

 

Schächte


1. Oeynhausenschacht, Ibbenbüren

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Oeynhausenschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Foto: 

Titel: Oeynhausenschacht

Adresse: Zechenstraße, 49477 Ibbenbüren

GPS: 52.286464, 7.737488

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Objektiv: EF24-105mm f4L IS USM

Aufnahme: 28.07.2019, 16:31

Exif: 105mm, f/8, ISO 100, 1/200 sek. 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

© Christian Twehues

 

2. Nordschacht, Mettingen

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Nordschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Foto: 

Titel: Nordschacht

Adresse: Zum Nordschacht 116, 49497 Mettingen

GPS: 52.298334, 7.772037

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Objektiv: EF24-105mm f4L IS USM

Aufnahme: 28.07.2019, 15:45

Exif: 105mm, f/11, ISO 100, 1/100 sek. 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

© Christian Twehues

 

3. Morgensternschacht, Schafberg

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Schafberg Morgensternschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Foto: 

Titel: Morgensternschacht

Adresse: Morgensternstraße 74, 49492 Westerkappeln

GPS: 52.278916, 7.822004

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Objektiv: EF16-35mm f4L IS USM

Aufnahme: 28.07.2019, 15:33

Exif: 32mm, f/8, ISO 100, 1/160 sek. 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

© Christian Twehues

 

4. Theodorschacht, Laggenbeck

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Laggenbeck Theodorschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Foto: 

Titel: Theodorschacht

Adresse: Theodorstraße 15, 49479 Ibbenbüren

GPS: 52.279098, 7.772638

Kamera: Canon EOS 5D Mark III

Objektiv: EF24-105mm f4L IS USM

Aufnahme: 28.07.2019, 17:04

Exif: 24mm, f/8, ISO 125, 1/80 sek. 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

© Christian Twehues

 

 

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