Das Ibbenbürener revier


Spuren des Steinkohlenbergbaus in der Region Ibbenbüren

Durch die Gebirgsauffaltung des Teutoburger Waldes gelangten tiefergelegene kohlehaltige Schichten in der Ibbenbürener Region aus über 2km Tiefe an die Oberfläche. Erstmalig urkundlich erwähnt wurde der Ibbenbürener Kohleabbau im Jahr 1556. 1691-1697 stieß man am Dickenberg mit Hilfe eines Wasserlösungsstollens in die Tiefe vor. Bereits 1822 wurde die erste maschinelle Fördereinrichtung in Betrieb genommen. Ab 1825 wurden Dampfmaschinen zur Entwässerung eingesetzt. 1942 wurde in Ibbenbüren von Konrad Grebe der Einheitshobel erfunden, mit dem niedrige Flöze effizient abgebaut werden konnten. Durch die kontinuierliche Entwicklung immer neuerer Technologien wurde Ibbenbüren zum Vorreiter der vollmechanisierten Kohleförderung im deutschen Kohlenbergbau. Mit einer Teufe von 1545m war Ibbenbüren bis 1989 der tiefste Steinkohlenschacht Europas. Tiefer hinab ging es im Steinkohlenbergbau ab 1989 auf der Zeche Haus Aden in Bergkamen (1635m) und ab 1997 auf der Zeche Saar im Saarland (1751m). Nach Schließung beider Zechen wurde Ibbenbüren von 2012 bis zu seiner Stilllegung im Jahr 2018 erneut der tiefste aktive Steinkohlenschacht Europas.

 

 

 

Übersicht der Zechen und Schächte

Geschichte des Bergbaus in Ibbenbüren


1747 wurde die Grube Schafberg von ihrem Pächter an den preussischen Staat verkauft, der von da an den Betrieb der Ibbenbürener Bergwerke übernahm und ausbaute. 1803 wurden die Arbeiten am Glücksburger Oberstollen aufgenommen. 1822 wurde der Abendsternschacht der Zeche Glücksburg abgeteuft. Für dessen Entwässerung wurde ab 1825 eine Dampffördermaschine eingesetzt.

 

Als Teil der Grube Schafberg wurde 1824 der Morgensternschacht eröffnet. Er erhielt 1943 einen gemauerten Förderturm. Er wurde 1979 stillgelegt und verfüllt. Der Schacht von Oyenhausen wurde 1860 eröffnet, um die steigende Nachfrage der Eisenbahn nach Kohle zu decken. Mit zunehmenden Vorrücken des Kohleabbaus Richtung Osten wurde 1888 der Theodorschacht in Laggenbeck geteuft. Das erleichterte den Bergleuten die Anfahrt vor Kohle und verbesserte die Bewetterung.

 

Das Bergwerk Ibbenbüren hatte immer mit einem hohen Wasserstand zu kämpfen. 1894 kam es zur Katastrophe. Die Zeche soff in wenigen Wochen komplett ab. Das Bergwerk wurde massiv umgebaut, so wurde z.B. das Westfeld gegründet, das bis 1979 aktiv war. Große Pumpen unterstützten die Sümpfung (Entwässerung) zwischen 1896 bis 1898. So konnte das Bergwerk Ende 1898 seinen Betrieb wieder aufnehmen.

 

Die Zeche war bis 1923 in preußischem Staatsbesitz, wurde danach privatisiert und von der Preußag weitergeführt. 1941 wurde in Ibbenbüren vom gebürtigen Saarländer Konrad Grebe der Kohlenhobel erfunden. Die Erfindung, die 1942 patentiert wurde, verdoppelte den Strebfortschritt von 1,5m auf 3m pro Tag.

 

1958 wurde der Nordschacht in Mettingen eröffnet und der Kohleabbau Richtung Norden ausgeweitet. Da die Kohlenflöze Richtung Norden immer weiter in die Tiefe gehen, wurde der Nordschacht Sohle für Sohle weiter abgeteuft (1960: 808m, 4. Sohle - 1976: 1418m, 5. Sohle - 1986-88: Endteufe 1545m, 6. Sohle). Ibbenbüren wurde damit eine der tiefsten Steinkohlegruben der Welt. Im Vergleich: Bergwerk Monopol (Bergkamen): 1635m tiefster Steinkohlenschacht im Ruhrgebiet, Bergwerk Saar (Ensdorf, Saarland): 1751m tiefster Steinkohlenschacht Europas. Tiefer kam in Deutschland nur Schacht 371 des Uranbergwerks Aue mit 1.800m. Noch tiefer hinab geht es in den Goldminen in Südafrika: 4.000m, was nur durch einen dickeren Erdmantel in Afrika ermöglicht wird. In Ibbenbüren steigt die Temperatur je 42 m Tiefe um 1°C. Das macht bei einer Tiefe von 1.500m ein natürliche Gesteinstemperatur von ca. 43°C, deutlich günstiger als im Ruhrgebiet. Aber ohne eine extra gekühlte Bewetterung wäre auch hier die Arbeit unter Tage in dieser Tiefe nicht mehr möglich.

 

In Ibbenbüren wurde Anthrazitkohle gefördert. Hauptabnehmer war das Ibbenbürener Kraftwerk, das 1905 als reines Zechenkraftwerk gebaut wurde. 1967 erfolgte die Ausweitung um das RWE Kraftwerk Block A und 1981 folgte Block B mit einer Gesamtleistung von 850 Megawatt. Mit seinem 110m hohen Kühlturm und dem 275m hohen Schornstein prägt das Kraftwerk die Skyline von Ibbenbüren und wurde zum weit sichtbaren Wahrzeichen der Stadt. Weitere Abnehmer der hochwertigen Anthrazitkohle waren Unternehmen und Haushalte der weiteren Umgebung. Ca. 400.000 t Kohle wurden jährlich als Hausbrand verbraucht.

 

Die größte Belegschaft hatte die Zeche Ibbenbüren 1958 mit 7.947 Beschäftigten. Die maximale jährliche Fördermenge wurde 1971 mit 2,77 Mio t Kohle erreicht. Zu dieser Zeit hatte die Zeche 5.157 Beschäftigte. Vom Beginn der statistischen Aufzeichnung 1758 bis 2018 wurden in Ibbenbüren insgesamt 170 Mio. t Kohle gefördert.

 

Die Zeche Ibbenbüren wurde am 17. August 2018 als zweitletztes aktives Steinkohlenbergwerk in Deutschland stillgelegt. Kurz vor der Stilllegung kam es zum bislang letzten tödlichen Minenunfall in Deutschland, bei dem ein 29-jähriger Kumpel starb.

 

 

Entwicklung der Fördermenge und Belegschaft des Ibbenbürener Steinkohlenreviers

 

Jahre
gesamte
Fördermenge
[in t]
durchschnittliche
Fördermenge
[in t / Jahr]
durchschnittliche
Belegschaft
[Anzahl Mitarbeiter]
durchschnittliche jährliche
Pro-Kopf-Fördermenge
[in t / Jahr / Mitarbeiter]
1758-1774 29.095 3.233 - -
1774-1799 59.958 4.997 - -
1800-1824 301.577 17.740 125 142
1825-1849 602.189 25.091 195 129
1850-1874 2.140.723 85.629 597 143
1875-1899 2.174.408 86.976 534 163
1900-1924 5.933.954 237.358 1.195 199
1925-1949 21.492.208 859.688 3.007 286
1950-1974 50.830.901 2.033.236 6.327 321
1975-1999 50.780.348 2.031.214 3.802 534
2000-2018 33.102.000 1.742.211 2.259 771

Zechen und Schächte


Eine fotografische Reise durch das Ibbenbürener Steinkohlenrevier

1. Grube Mieke, Uffeln

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Grube Mieke, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Die Grube Mieke war eine Kleinzeche in Uffeln. Sie wurde 1921 vom Ibbenbürener Unternehmer Hugo Deiters gepachtet, um nach dem Ersten Weltkrieg die Versorgung seiner Fabrik mit Kohle zu sichern. Deiters gründete 1923 eine Steinkohlengrube, der er den Namen seiner Frau Mieke verlieh. Ein tonnlägiger, d.h. schräg abwärts verlaufender Schacht mit 150m Länge wurde abgeteuft. Die Grube Mieke war eine der fortschrittlichsten Gruben unter den über 100 Pachtgruben in Ibbenbüren. In der Kohlengrube kamen schon Abbauhämmer zum Einsatz. Die Bewetterung wurde durch Ventilatoren sichergestellt. 1946 versiegten die Kohlenvorräte in der „Alten“ Mieke und der Stollen wurde stillgelegt. 1948 nahm die „Neue“ Mieke nördlich der alten Grube den Betrieb im Barbarafeld wieder auf. 1954 war die Grube Mieke die letzte privat betriebene Grube im Ibbenbürener Steinkohlenrevier. 1957/1958 wurde der Förderschacht Hugo abgeteuft, um an das tiefer liegende Flöz Dickenberg zu gelangen. Die jährliche Fördermenge lag zwischen 35.000 und 40.000 Tonnen Steinkohle. In der Grube Mieke arbeiteten 120 Kumpel. Mieke wurde 1964 stillgelegt. Die Gebäude wurden abgerissen, der Schacht verfüllt. Heute erinnert nur noch eine Gedenktafel an der Straße Up de Hee in der Nähe des Steinbruchs an die Grube Mieke.

 

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Foto: Grube Mieke (16.01.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Grün­dung
Förder­beginn
Schlie­ßung
Beleg­schaft
Jährl. Förderung
Besonderheit

Grube Mieke

Up de Hee

49479 Ibbenbüren

52.318872, 7.638613

1921 1923 1964
120
35.000-40.000 t

Letzte im Ibbenbürener Revier

privat betriebene Zeche

2. Zeche Mathilde (Wilhelmschacht), Dickenberg

Bergwerk Ibbenbüren Zeche Mathilde, Wilhelmschacht, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Pachtgrubenbergbau ge­wann nach dem 1. Weltkrieg aufgrund der Kohleknappheit an Bedeutung. Mehr als 100 Kleinzechen im Pachtbetrieb existierten im Ibbenbürener Revier in der Nachkriegszeit. Die größte unter ihnen war die Zeche Mathilde auf dem Dickenberg, die 1921 gegründet wurde. Zentrum der Zeche war der Wilhelmschacht. Die Zeche erreichte in den Dreißiger Jahren eine jährliche Fördermenge von 120.000 t Kohle mit einer Belegschaft von 400 Bergleuten. Aufgrund eines Stomausfalls im April 1945 konnte die Wasserhaltung nicht aufrechterhalten werden. In der Folge soff die Grube vollständig ab. Die Zeche wurde stillgelegt und im gleichen Jahr von der Preußag übernommen. Vom Wilhelmschacht aus wurden die Flöze Buchholz, der darunter liegende Flöz Dickenberg und der Flöz Glücksburg abgebaut. 1959 wurde die Anlage um ein Kauengebäude für bis zu 1.000 Bergleute erweitert. Der Schacht wurde bis 1969 zur Seilfahrt und Materialförderung genutzt, diente danach noch bis zur Stilllegung des Westfeldes im Jahr 1979 der Hauptwasserhaltung. Der Wilhelmschacht erreichte eine maximale Teufe von 231m (unterhalb der 2. Sohle). Das Fördergerüst wurde 1984 abgerissen, die Tagesanlagen 2005 zurückgebaut und das Gelände aufgeforstet. Heute erinnern nur noch ein Gedenkstein, eine ausgemusterte Lore und der Straßenname an den ehemaligen Wilhelmschacht.

 

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Foto: Zeche Mathilde, Wilhemschacht (16.01.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Grün­dung
Förder­beginn
Schlie­ßung
Beleg­schaft
Jährl. Förderung
Besonderheit

Mathilde

Wilhelmschacht

Am Wilhelmschacht

49479 Ibbenbüren

52.315970, 7.655846

1921 1921 1979
400
120.000 t

Maximale Teufe: 231m

3. Rudolfschacht, Dickenberg

Bergwerk Ibbenbüren Zeche Mathilde, Wilhelmschacht, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Rudolfschacht wurde 1884 zunächst als Haspelschacht auf 32m abgeteuft. 90 Bergleute arbeiteten zu Beginn im Bergwerk. Der Schacht diente als Ersatz für den stillgelegten Bernhardschacht, der von 1865 bis 1886 aktiv war. Als der Von-Oenyhausenschacht von 1894 bis 1898 absoff, konnte ein Teil des Förderausfalls über den Rudolfschacht wett gemacht werden.

 

Der Schacht wurde nach dem Steiger Rudolf Schröder benannt. 1895 erhielt der Schacht ein hölzernes Fördergerüst und eine Dampffördermaschine. Ein vom Püsselbürener Förderstollen 488m vorgetriebener Stollen diente der Wasserlösung des Buchholzflözes und des Rudolfschachts.

 

Von 1940 bis 1942 wurde der Schacht bis auf das Flöz Glücksburg (229m) abgeteuft. Von 1956 bis 1958 wurde ein gemauerter Förderturm gebaut, der ein stählernes Fördergerüst ablöste. Bis 1957 kamen noch Grubenpferde untertage zum Einsatz. Mit der Stilllegung des Westfeldes 1979 wurde auch der Rudolfschacht geschlossen. Der Förderturm wurde 1980 gesprengt. Von den Tagesanlagen ist heute nichts mehr erhalten. Ein Gedenkstein am Fuße der Bergehalde Rudolfschacht erinnert an den ehemaligen Schacht in der Nähe.

 

Die Bergehalde Rudolfschacht wurde in der Folgezeit renaturiert. Auf der Spitze wurde 2006 ein Friedenskreuz errichtet. Die 201m hohe Halde ist die höchste Erhebung im weiten Umkreis und bietet einen phantastischen Fernblick über die Region.

 

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Foto: Zeche Ibbenbüren, Rudolfschacht (30.05.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Teufbeginn
Schließung
Belegschaft
Besonderheit

Ibbenbüren,

Rudolfschacht

Buchholzer Damm

49479 Ibbenbüren

52.315468, 7.682260

1884 1979
900

Maximale Teufe: 229m

 

Fotogalerie

4. Marianneschacht, Dickenberg

Bergwerk Ibbenbüren, Marianneschacht, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Marianneschacht diente als Wetterschacht, zeitweise auch der Seilfahrt und Förderung der Zeche Ibbenbüren. Die Tagesanlagen bildeten den Verwaltungsstandort des Westfeldes. Der Schacht wurde nach Marianne Müller, der Ehefrau des Oberbergrats Erwin Müller benannt.

 

Schacht 1 wurde 1920 abgeteuft. Er erreichte eine Teufe von 65,5 m und erhielt 1934 ein Fördergerüst aus Stahl. 1944 begannen die Arbeiten an Schacht 2, das Abteufen wurde aber erst 1950/52 beendet. Der Schacht erreichte eine Endteufe von 234m. Mit der Inbetriebnahme von Schacht 2 wurde Schacht 1 abgeworfen. Von 1951 bis 1959 wurden die Tagesanlagen neu gebaut. Der Schacht erhielt ein Verwaltungsgebäude mit Büros für die Aufsicht, eine Waschkaue, eine zweite Kaue für die Aufsicht, eine Markenstube, eine Lampenstube und ein neues Pförtnerhaus.

 

1979 wurde das Westfeld stillgelegt, die Zeche Ibbenbüren konzentrierte sich auf das Ostfeld. Das Fördergerüst von Schacht 2 wurde 1993 abgerissen. Es stand auf der jetzt freien Fläche im rechten Teil des Fotos. Die Tagesanlagen sind erhalten geblieben und werden heute gewerblich genutzt.

 

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Foto: Zeche Ibbenbüren, Marianneschacht  (30.05.2021) © Christian Twehues

 

Schächte der Zeche

 

Schacht Adresse GPS
Teufbeginn
Förderbeginn
Stilllegung
Max. Teufe
Schacht 1

 Am Mariannenschacht

49479 Ibbenbüren

52.307420, 7.686357 1920 1920 1952 65,5 m
Schacht 2

Am Mariannenschacht

49479 Ibbenbüren

52.307420, 7.686357 1944 1952 1979 234 m

 

Fotogalerie

5. Bockradener Schacht, Ibbenbüren

Bergwerk Ibbenbüren, Schacht Bockraden, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Bockradener Schacht wur­de ab 1962 von der Zeche Ibbenbüren abgeteuft. Der Schacht sollte als Wetter- und Seilfahrtschacht für den Aufschluss des Bockradener Grabens und des Beustfeldes bis auf 475m abgeteuft werden. Hohe Wasserzuflüsse und eine veränderte wirtschaftliche Lage durchkreuzten aber den Plan. Der Schacht Bockraden wurde letztlich nur noch als Wetterschacht bis auf das Flöz Glücksburg niedergebracht.

 

Ein leistungsstarker 720 kW Lüfter sorgte für die Bewetterung des West- und des Ostfeldes. Der Bockradener Schacht erreichte 1965 eine Endteufe von 391m. 1966 wurde eine Trinkwassergewinnungsanlage und eine provisorische Schachtbefahrungsanlage ergänzt. Der Schacht ging im gleichen Jahr in Betrieb. Er war bis zur Stilllegung des Bergwerks Ibbenbüren im Jahre 2018 als Wetterschacht aktiv.

 

Link: Wikipedia

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Bockradener Schacht (30.05.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Teufbeginn
Förderbeginn
Schließung
Besonderheit

Ibbenbüren,

Bockradener Schacht

Up de Gadde 

49479 Ibbenbüren

52.307700, 7.723274

1962 1966 2018

Maximale Teufe: 391m

 

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6. Beustschacht, Ibbenbüren

Beustschacht, Ibbenbüren, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Beustschacht wurde im Juni 1841 abgeteuft. Seinen Namen erhielt er vom Oberberghauptmann Graf von Beust. Von der Rasenhängebank (Vorrichtung zum Entleeren der Fördergefäße zu ebener Erde) wurde 8,37m tief gemauert. Der Schacht erhielt zwei Förder- und eine Fahrtrum (vertikaler Teil des Schachts). 1843 erreichte der Schacht bei 36m die Bockradener Stollensohle. Zeitgleich wurden die Schachtgebäude gebaut. Das Hauptgebäude und der vierkantige 35m hohe Schornstein wurden aus Sandstein gemauert.

 

Zur Förderung wurde eine doppeltwirkende Hochdruck-Fördermaschine mit 25 PS beschafft. Sie konnte zwei je 1.100 Pfund schwere Scheffelwagen aus 88m Tiefe fördern. Damit war eine Schichtleistung von 103,3 t Kohle möglich. Der Dampf zum Betrieb der Fördermaschine wurde in zwei Flammrohrkesseln erzeugt.

 

Der Beustschacht nahm 1845 die Förderung auf. Bereits vier Jahre später übertraf die jährliche Fördermenge die der anderen Ibbenbürener Schächte. Die höchste Fördermenge erreichte der Beustschacht 1854 mit 132.000 preußische Tonnen (27.271 t). Von 1851 bis 1858 wurde der Schacht bis auf 82m abgeteuft. Anfangs konnte das Wasser noch mit Handpumpen gelöst werden. Ab 1855 musste aber eine Abteufpumpe eingesetzt werden, um den Wasserzufluss von 0,6 Kubikmeter pro Minute zu bewältigen. Mit Förderbeginn der Von Oeynhausen Schachtanlage 1865 in unmittelbarer Nähe wurde die Förderung auf dem Beustschacht eingestellt. Der Schacht wurde 1870 stillgelegt.

 

Das Hauptgebäude und der Schornstein aus dem Jahr 1842/43 und der vierkantige Schornstein sind erhalten geblieben und stehen seit 1987 unter Denkmalschutz.

 

Link: Stadtmuseum Ibbenbüren

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Foto: Beustschacht (30.05.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Teufbeginn
Förderbeginn
Schließung
Jährl. Förderung
Besonderheit
Beustschacht

Am Beustschacht 13

49479 Ibbenbüren

52.291800, 7.718919

1841 1845 1870
27.271 t

Maximale Teufe: 82m

 

Fotogalerie

7. Von Oeynhausenschächte, Ibbenbüren

Bergwerk Zeche Ibbenbüren, von Oeynhausenschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bauten die Zechen Kohle nahe der Oberfläche ab. Die Entwässerung erfolgte über sogenannte Wasserlösungsstollen, im Ruhrgebiet auch Erbstollen genannt, die das Grundwasser senkten und die darüber liegenden, meist tonnlägigen, d.h. schräg verlaufenden Stollen entwässerten. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es den Zechen mit neuer Wasserhaltungstechnologie in tiefer liegende Kohlefelder vorzudringen.

 

1860 begannen in Ibbenbüren die Abteufarbeiten am Schacht Von Oeynhausen 1, benannt nach dem Berghauptmann Karl Freiherr von Oeynhausen. Aufgrund starker Probleme mit der Wasserhaltung beauftragte man den englischen Unternehmer William Coulson aus Durham mit dem Schachtbau. 1867 erreichte man das Karbon in einer Tiefe von 206m, die 1. Sohle wurde eingerichtet. Die Wasserhaltung nahm fast den gesamten Durchmesser des Schachts 1 in Anspruch. Daher entschloss man sich zum Abteufen eines 2. Schachts in direkter Nachbarschaft zum ersten Schacht. Der Schacht Von Oeynhausen 2 wurde von 1871 bis 1872 bis auf eine Tiefe von 202m abgeteuft. Schon während des Baus des ersten Schachts hatte die Zeche mit starken Wasserdurchbrüchen zu kämpfen.

 

Am 19. Juli 1894 kam es zu einem größeren Wassereinbruch im Feld Glücksburg. Trotz sofort eingeleiteter Gegenmaßnahmen und starker Entwässerungspumpen gelang es nicht, den Einbruch einzugrenzen und einzudämmen. Das gesamte Bergwerk soff bis zum 27. August 1894 bis über die 1. Sohle ab, es kam zum vollständigen Erliegen der Kohleförderung. Das Handelsministerium in Berlin erwog die Stilllegung der Von Oeynhausen Schachtanlage, auch wegen der regional begrenzten Bedeutung des Ibbenbürener Standortes. Die Bergbehörde entschied aber anders und ordnete im September des gleichen Jahres die Sümpfung des Bergwerks an. Umfangreiche Umbaumaßnahmen wurden durchgeführt, Wasserhaltung und Tagesanlagen erneuert. Schacht 1, bis dahin ausschließlich zur Wasserhaltung genutzt, wurde zum neuen Förderschacht. Zwei Pumpen wurden angeschafft, die mit 30m Länge und 300 Tonnen Gewicht zu den weltweit größten Pumpen ihrer Zeit zählten. Die alten Gebäude wurden bis Ende Mai 1895 abgerissen. Zwischen Mai 1895 und Dezember 1896 wurde ein neuer 20m hoher Schachtturm mit 1,40m dicken Wänden über Schacht 2 errichtet. Zwei über 30m lange Maschinenhäuser schlossen sich an den Schachtturm im rechten Winkel an, die die großen Pumpen beherbergten. Im Dezember 1896 wurde mit der Sümpfung (d. h. Auspumpen des Bergwerks) begonnen. Im Juni 1898 war die 1. Tiefbausohle vom Wasser befreit. Die Förderstrecken wurden fertiggestellt, 140 Kumpel neu eingestellt und am 18. Oktober 1898 konnte die Kohleförderung nach über 4-jähriger Unterbrechung wieder aufgenommen werden. Die Katastrophe hatte deutliche Auswirkungen auf Ibbenbüren. Vielen Bergleuten musste während der Unterbrechung gekündigt werden. Die Belegschaft sank von 555 Bergleuten im Jahr 1893 auf einen Tiefstand von 203 Kumpeln im Jahr 1896. Erst 1899 erreichte die Belegschaft wieder eine Zahl von über 500 Bergleuten.

 

Zwischen 1925 und 1932 wurde die Schachtanlage umgestaltet. 1925 wurde das Kesselhaus neben Tor 1 errichtet. 1926 Schacht 1 umgebaut. 1928 wurde die Zechenbahn in Betrieb genommen, 1929 eine Brikettfabrik gebaut. Von 1930 bis 1932 wurde Schacht Von Oeynhausen 3 als neuer Förderschacht bis zur 3. Sohle abgeteuft. Während des Zweiten Weltkriegs erreichte die Zeche mit 3.000 Beschäftigten eine jährliche Fördermenge von 1 Mio t Kohle.

 

Von 1956 bis 1958 wurden Büro- und Kauengebäude neu gebaut, von 1959 bis 1962 eine neue Kohlenaufbereitung. 1976 wurde im Schacht 3 die Gefäßförderung eingeführt. In den Achtzigern wurde die Kohlenwäsche erweitert und die Brikettfabrik stillgelegt. Ende 2018 war Ibbenbüren die zweitletzte aktive Steinkohlenzeche in Deutschland. Am 4.12.2018 wurde in einer feierlichen Zeremonie der letzte Förderwagen aus Schacht 3 gefördert. Zwei Wochen später am 21.12.2018 stellte die Zeche Prosper in Bottrop als letzte Zeche Deutschlands den Betrieb ein.

 

Die Stadt Ibbenbüren nahm 2019 einige Gebäude unter Denkmalschutz: Das Fördergerüst und Fördermaschinenhaus von Schacht 1 (1927), den Schachtturm über Schacht 2 mit zwei angebauten Maschinenhäusern (1895/96), den Wasserhochbehälter (1927), sowie das ehemalige Kesselhaus am Tor 1 (1925), das 1960 zum Materiallager umgebaut worden war Die Schächte Von Oeynhausen 1, 2 und 3 werden seit dem 14. Januar 2021 mit Beton verfüllt. Viele der Tagesanlagen werden aktuell zurückgebaut.

 

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Foto: Zeche Ibbenbüren, Von Oeynhausenschacht 1 und 2 (28.07.2019) © Christian Twehues

 

Zechensteckbrief

 

Namen der Zeche
Gründung
Förderbeginn
Schließung
Max.
Belegschaft
Max.
Förderung
Besonderheit

Ibbenbüren

1846 1865 2018
7947
(1958)
2.770.648 t
(1971)

 

In Ibbenbüren wurde hauptsächlich die

hochwertige Anthrazitkohle abgebaut

 

Schächte der Zeche

 

Schacht Adresse GPS
Teufbeginn
Förderbeginn
Stilllegung
Max. Teufe
Von Oeynhausen 1

Osnabrücker Str. 112

49477 Ibbenbüren

52.287275, 7.736415 1860 1865 2018 415 m
Von Oeynhausen 2

Osnabrücker Str. 112

49477 Ibbenbüren

52.287372, 7.736157 1871 1872 2018 339 m
Von Oeynhausen 3

Osnabrücker Str. 112

49477 Ibbenbüren

52.287281, 7.738574 1930 1932 2018 868 m

 

Fotogalerie

8. Nordschacht, Mettingen

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Nordschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Nach dem 2. Weltkrieg begann man in Ibbenbüren in die tieferliegenden nördlichen Regionen des Grubenfeldes vorzudringen. Dazu wurde in Mettingen ab 1953 von der 3. Sohle aus bis zur Theodorsohle (571m) abgeteuft. Zwischen 1955 und 1960 wurde dann schrittweise der Nordschacht von übertage bis zur 4. Sohle (808m) abgeteuft und die Tagesanlagen, Waschkauen, Lampenstube und ein Parkplatz für 1.500 Bergleute gebaut. 1958 fand die erste Seilfahrt zur Theodorsohle statt, 1961 die erste Seilfahrt bis zur 4. Sohle.

 

Von 1974 bis 1976 wurde der Schacht bis zur 5. Sohle (Flöz 59) abgeteuft (1418m). 1982 baute das Bergwerk die zentrale Kälteanlage, 1985 das Betriebsmittellager. Von 1986 bis 1988 wurde der Nordschacht bis zu seiner Endteufe von 1545m abgeteuft und die 6. Sohle unterhalb von Flöz 74 eingerichtet. Damit wurde der Nordschacht zeitweise zum tiefsten Steinkohlenschacht Europas. Der Nordschacht diente als zentraler Schacht zur Seilfahrt und als Materialschacht. Die Kohle wurde über den Schacht von Oeynhausen 3 am Standort Ibbenbüren zutage gefördert.

 

1993 erhielt der Nordschacht eine Materialsortieranlage. Das Bergwerk Ibbenbüren wurde im Dezember 2018 stillgelegt. Der Nordschacht wird seit Juni 2020 verfüllt. Die Tagesanlagen inkl. Fördergerüst sind noch vorhanden (Stand 02/2021).

 

Link: Wikipedia

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Zeche Ibbenbüren, Nordschacht (28.07.2019) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Gründung
Förderbeginn
Schließung
Besonderheit

Ibbenbüren,

Nordschacht

Zum Nordschacht

49497 Mettingen

52.299529, 7.771622

1953 1957 2018

Mit 1545m tiefster Schacht Europas

von 1986 bis 1989 und von 2012 bis 2018

 

Fotogalerie

9. Zeche Anneliese, Westerkappeln

Zeche Anneliese, Westerkappeln, Ibbenbüren, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Erste Stollen-Schürfarbeiten fanden am Standort der Zeche Anneliese in Westerkappeln bereits 1819 statt. In den Notzeiten nach beiden Weltkriegen wurde die Zeche als Pachtgrube betrieben.

 

1920 wurde die Grube zuerst von 3 Bergleuten und ab 1921 vom Osnabrücker Unternehmer Dr. Berentelg gepachtet. Bis zu 80 Bergleute arbeiteten bis 1924 in der Grube. Nach dem 2. Weltkrieg fand zuerst unerlaubter wilder Bergbau durch die Bevölkerung statt. Von 1946 bis 1950 wurde die Grube dann von der Stadt Osnabrück betrieben und Kohle aus dem Flottwell-Nebenflöz abgebaut. 100 Bergleute förderten in dieser Notzeit etwa 100 Tonnen Kohle täglich.

 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Zeche Anneliese (16.01.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Grün­dung
Förder­beginn
Schlie­ßung
Beleg­schaft
Jährl. Förderung
Besonderheit
Anneliese

Mühlenweg

49492 Westerkappeln

52.283441, 7.824564

1819 1819 1950
100
ca. 25.000 t

Als Pachtgrube betrieben

in den Notzeiten nach

den Weltkriegen

10. Lichtloch 4 Schafberger Tiefer Stollen

Lichtloch 4 Tiefer Stollen, Westerkappeln, Ibbenbüren, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der zwischen 1804 und 1824 aufgefahrene 1433 Meter lange Wasserlösungsstollen (auch Tiefer Stollen oder Erbstollen genannt) in Westerkappeln erreichte in 88 Meter Tiefe den zur gleichen Zeit geteuften Morgensternschacht. Lichtlöcher (auch Lichtschächte) sind kleine auf den Stollen geteufte Wetterschächte. Sie dienen zur Bewetterung des Stollens, können aber auch zur Fahrung und Förderung genutzt werden.

 

Etwa 60 Meter vom Lichtloch 4 befindet sich im Wald die Pinge (keil- oder trichterförmige, durch Bergbautätigkeiten entstandene Vertiefung) eines um 1862 geteuften 30m tiefen Schürfschachtes der Meppener Eisenhütte. Die Förderung von Eisenerz und von Eisenocker für das Farbwerk Oranien erfolgte mit kleiner Belegschaft bis 1904.

 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Lichtloch des Schafberger Tiefer Stollen (16.01.2021) © Christian Twehues

11. Morgensternschacht, Schafberg

Bergwerk Zeche Ibbenbüren Schafberg Morgensternschacht, Münsterland, Deutschland mit Fördergerüst Förderturm, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Ganz in der Nähe der historischen Zeche Schafberg aus dem 16. Jahrhundert wurde 1824 der Morgensternschacht als Haupt­för­der­schacht des Schafberger Reviers abgeteuft. 1826 stieß man in 88m Teufe auf Karbon, die Förderung wurde im Februar 1826 aufgenommen. Die Tagesanlagen umfassten Maschinen-, Förder- und Materialgebäude. Im zweistöckigen Maschinenhaus waren im unteren Stockwerk der Dampfkessel, die Fördermaschine und die Seiltrommeln untergebracht. Im oberen Stockwerk befand sich die Wohnung des Fördermaschinisten und ein Geschäftszimmer. Daneben gab es eine Steigerwohnung mit Geldempfangslokal. 1839 kam eine Schmiede hinzu, 1840 ein Pulvermagazin.

 

Beim Vortrieb der Strecke Richtung Westen wurde bald eine Verwerfung erreicht. Vor dem "Sprung" war die Beschaffenheit der Kohle eher mager, dahinter fester und hochwertiger. Dies ist der Grund, warum in Ibbenbüren in Ost- und Westfeld unterschieden wurde. Die magere Kohle aus dem östlichen Teil des Feldes wurde für die Dampfmaschine im Förderhaus und den Hausbrand der Bergleute verwendet. Die höherwertige Kohle aus dem westlichen Teil wurde verkauft.

 

Ab 1841 wurden neben dem Flöz Glücksburg auch die Flöze Alexander, Flottwell und Bentingsbank abgebaut. Die Hauptförderung erfolgte ab 1872 über den neuen Von Oeynhausenschacht. Der Morgensternschacht wurde im April 1872 stillgelegt, die Gebäude abgerissen und der Schacht verfüllt.

 

Nach dem 1. Weltkrieg herrschte aufgrund der Reparationszahlungen an die Siegermächte enorme Kohleknappheit im Deutschen Reich. Privatpersonen wurde es erlaubt, neben den großen staatlichen Zechen Pachtgruben zu betreiben. Eine dieser Pütts war die Pachtgrube Concordia auf dem ehemaligen Gelände des Morgensternschachts. Die Kleinzechen konnten aber mit dem technischen Fortschritt der Staatsbetriebe nur wenige Jahre mithalten. Die Pachtgrube Concordia war unter dem Namen Zeche Morgenstern von 1924 bis 1928 aktiv. In dieser Zeit erfolgte die Förderung über ein eisernes Fördergerüst.

 

Anfang der 1940er wurde der Morgensternschacht von der Preußag wieder aktiviert und auf seine Endteufe von 348m abgeteuft. Der gemauerte 28m hohe Schachtturm (s. Foto) mit Koepe-Fördermaschine im Turm stammt aus dieser Zeit. Der Morgensternschacht wurde 1979 endgültig stillgelegt und verfüllt.

 

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Foto: Zeche Schafberg, Morgensternschacht (28.07.2019) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Grün­dung
Teuf­beginn
Förder­beginn
Still­legung
Besonderheit

Schafberg,

Morgensternschacht

Morgensternstraße

49492 Westerkappeln

52.278958, 7.822054

16. Jhdt 1824 1826
1979

Gemauerter Förderturm

 

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12. Theodorschacht, Laggenbeck

Bergwerk Zeche Ibbenbüren, Laggenbeck, Theodorschacht, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

Der Abbau des Flözes Glücksburg wurde im späten 19. Jahrhundert immer weiter in Richtung Osten vorgetrieben. Die Seilfahrt erfolgte nach Schließung des Morgensternschachts ab 1872 über den neuen Schacht Von Oeynhausen 2 an der Osnabrücker Straße in Ibbenbüren. Von dort war es ein weiter Fußweg unter Tage bis vor Ort in der Gegend unter dem Schafberg. Um diesen Anfahrtsweg abzukürzen, wurde ab 1888 in 2,5 km Entfernung in Laggenbeck der Theodorschacht bis auf 135m abgeteuft.

 

Anfänglich diente der Schacht nur zur Ein- und Ausfahrt der Bergleute. 1890 wurden die Tagesanlagen gebaut: ein Kesselhaus, ein Fördermaschinengebäude und als erster Schacht in Ibbenbüren erhielt der Theodorschacht eine Wasch- und Badekaue. Ein historisches Foto aus dem Jahr 1889 (Röhrs: "Der Ibbenbürener Bergbau des 20. Jahrhunderts in Bildern") zeigt ein ca. 20-25m hohes Fördergerüst im Rohbau. 1892 wurde der zur Bewetterung des Glücksburger Feldes dienende Wetterofen durch einen unterirdischen Ventilator ersetzt. Der Theodorschacht diente ab da zusätzlich als ausziehender Wetterschacht. Der Schacht nahm 1892 den Betrieb auf. 1924 wurde weiter bis zur 2. Sohle (260m) und 1934 bis zur 3. Sohle (330m) abgeteuft. Von 1955 bis 1966 erreichte der Schacht dann seine Endteufe von 603m unterhalb von Flöz 2.

 

Mit dem Ausbau der Tagesanlagen am Nordschacht in Mettingen wurden 1961 die Waschkauen am Theodorschacht stillgelegt. Der Schacht diente noch eine zeitlang weiter der Seilfahrt. Ein Foto aus dem Jahr 1971 zeigt die Anlagen aber bereits ohne Fördergerüst. Der Schacht wurde als reiner Wetterschacht weiter betrieben. 1969 wurde ein 2,6 MW Grubenlüfter installiert, 1979 einer mit 3,5 MW. Nach Schließung des Ibbenbürener Bergwerks im Dezember 2018 wurde der Theodorschacht 2019 mit Beton verfüllt. Die Grubenlüfter, die ich 2019 noch fotografieren konnte, wurden Anfang 2021 abgerissen.

 

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Foto: Zeche Ibbenbüren, Theodorschacht (28.07.2019) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Teufbeginn
Förderbeginn
Schließung
Besonderheit

Ibbenbüren, 

Theodorschacht

Theodorstraße

49479 Ibbenbüren

52.279041, 7.772934

1888 1892 2018

Wurde 2021 abgerissen

 

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13. Notbergbau Perm, Laggenbeck

Erzgrube Perm, Notbergbau Perm, Ibbenbüren, Laggenbeck, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

1741 wurde der Preußische Adlerstollen erschlossen, um das Erz an der südöstlichen Verwerfung des Schafberges abzubauen. Ab 1860 erfolgte der Abbau von Eisen-, Blei- und Zinkerzen sowie Eisenocker als Farbmittel durch die Zeche Perm, deren Hauptbetrieb auf dem Gelände des heutigen Reitplatzes lag. 1875 arbeiteten ca. 500 Bergleute in der Grube Perm. Ein Foto aus dem Jahr 1916 auf der Infotafel am Reitplatz zeigt ca. 6 Schachtgebäude und ein Fördergerüst. Die Erzgrube wurde 1921 stillgelegt. Von den Gebäuden ist nichts erhalten geblieben.

 

In der unmittelbaren Nähe der Erzgrube Perm wurde in der Notzeit nach dem 2. Weltkrieg ab 1951 der Notbergbau Perm eröffnet, um oberflächennahe Kohlevorkommen der Flöze Glücksburg und Betingsbank abzubauen. Im Strebbetrieb mit Abbauhämmern und Schüttelrutschen wurden bis 1960 jährlich etwa 60.000 Tonnen Kohle gefördert. Aus dieser Zeit stammen die Gebäuderuinen des Trafohauses und des Bunkers (s. Foto).

 

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Bunker & Trafohaus Notbergbau Perm (16.01.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Gründung
Förderbeginn
Schließung
Belegschaft
Jährl. Förderung
Besonderheit

Steinkohlen-

Notbergbau Perm

Permer Straße

49479 Ibbenbüren

52.269857, 7.800449

1951 1951 1960
?
ca. 60.000 t

Die Grube Perm war von

1741 bis 1921 eine Erzgrube

mit bis zu 500 Mitarbeitern

 

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14. Erzgrube Perm/Hektor, Laggenbeck

Wetterschacht Erzgrube Perm/Hektor, Ibbenbüren, Laggenbeck, Münsterland, Deutschland, Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle

1806 begann der Unternehmer Leopold Wilhelm Schmölder mit der betrieblichen Gewinnung von Eisenerz in der Ibbenbürener Region. 1877 wurde der Friedrich-Wilhelm-Stollen aufgefahren. 1880 kaufte der Georgs-Marien-Bergwerks- und Hüttenverein (GMV) die Bergwerke Perm, Friedrich Wilhelm und Hector. 1881 wurde der Permer Stollen aufgefahren. Die übertage ab 1885 gebaute 6,8 km lange Schmalspur-Schleppbahn mit Dampflokomotiven war bis 1912 in Betrieb. Von 1912 bis zur Stilllegung im Jahr 1921 förderte die Erzgrube Perm Blei- und Zinkerze.

 

Der Wetter- und Pumpenschacht (Foto) der Erzgruben Perm/Hektor ist bis zum Permer Stollen 41,6 Meter tief. In einem 37 Meter unter dem Stollen befindlichen Blindschacht sammelte sich das Grubenwasser und wurde auch nach der Stilllegung der Erzgruben im Jahr 1921 noch für Trinkwasser genutzt.

 

Link: Wikipedia

Tags: Industriekultur, Industrie, Zechen, Bergbau, Steinkohle, Ibbenbüren, Pütt

Foto: Wetter- und Pumpenschacht der Erzgruben Perm/Hektor in Alstedde, Ibbenbüren (16.01.2021) © Christian Twehues

 

Steckbrief

 

Namen der Zeche
Adresse
Grün­dung
Förder­beginn
Schlie­ßung
Beleg­schaft
Jährl. Förderung
Besonderheit

Erzgrube Perm/

Hektor

Permer Straße

49479 Ibbenbüren

52.269589, 7.825275

1806 1806 1921
?
?

Abtransport der Erze über 6,8km

lange Schmalspur-Schleppbahn


Quellen

  1. Rickelmann/Röhrs: "Der Ibbenbürener Steinkohlenbergbau von den Anfängen bis zur Gegenwart" (Schöningh, 1983)
  2. Röhrs: "Der Ibbenbürener Bergbau des 20. Jahrhunderts in Bildern" (Ibbenbürener Vereinsdruckerei, 1997)
  3. Inschriften der Gedenksteine an den Ruinen der ehemaligen Zechen und Schächte
  4. Informationstafeln des Knappenvereins Tecklenburger Land e.V.
  5. Zeitzeugen
  6. Internet:

- RAG: Abschlussbetriebsplan Bergwerk Ibbenbüren

- RAG: Die Geschichte des Bergbaureviers Ibbenbüren

- Stadtmuseum Ibbenbüren: Baudenkmal A 63 Beustschacht

Stadtmuseum Ibbenbüren: Baudenkmal A 116d Von Oeynhausenschacht 1

Stadtmuseum Ibbenbüren: Baudenkmal A 116c Von Oeynhausenschacht 2

Stadtmuseum Ibbenbüren: Baudenkmal A 116a Kesselhaus

Stadtmuseum Ibbenbüren: Baudenkmal A 116b Wasserhochbehälter

- Westfälische Nachrichten: Der Morgensternschacht

- Historische Entwicklung des Theodorschachtes

- Diplomarbeit "Tagen und Nächtigen am Theodorschacht" der TU Wien

- Wikipedia: Grube Mieke

- Wikipedia: Westfeld (Ibbenbüren) / Wilhelmschacht, Zeche Mathilde

- Wikipedia: Bergwerk Ibbenbüren

- Wikipedia: Zeche Perm